Zeit Abschied zu nehmen

Ja irgendwie kann ich es selbst kaum glauben, dass es das jetzt schon war, denn vor allem die letzten Monate vergingen wie im Flug, doch morgen heißt es schon Koffer packen und zurück nach Deutschland.

Bereits vor mehr als einem Monat, als die Schulferien begannen und somit auch die Fundacion geschlossen hatte, mussten Laika und Ich uns von den Kindern verabschieden. In unserer letzen Woche waren wir mit ihnen noch einmal Eis essen und haben eine Abschiedsfeier mit Spielen und Musik in der Fundacion gemacht. Aber das große Highlight dieser Woche war der Ausflug in den Zoo nach Santo Domingo, den wir organisiert hatten. Die Kinder freuten sich seit Wochen auf diesen Tag und als es dann eines morgens so weit war, war die Aufregung und Freude riesig. Denn einige der Kinder sind noch nie aus San Cristobal raus nach Santo Domingo gekommen, geschweige denn in den Zoo. Die Guagua (den Kleinbus), die wir für den Tag gemietet hatten, war mit ca. 35 Kindern + 8 Betreuern sehr gut gefüllt und man hatte das Gefühl, man würde wieder in der 3. Klasse sein und einen Schulausflug machen. Zu meinem Erstaunen benahmen sich die Kinder für ihr Verhältnisse nicht nur auf der Fahrt, sondern auch im Zoo ziemlich gut. Am Zoo angekommen ging es dann für die ganze Gruppe in eine Bimmelbahn, die uns durch den großen Zoo fuhr, und eine Frau erzählte über die Lautsprecher immer etwas über die jeweiligen Tiere, an denen wir vorbeiführen. Somit ging auch der Hintergedanke auf in den Zoo zu fahren, da die Kinder dort vielleicht noch etwas lernen könnten. Nach der Rundfahrt gingen wir zu dem zooeigenen Spielplatz, wo die Kinder ihren Spaß hatten, während wir Hot Dogs und Getränke als Mittagessen vorbereiteten. Nach der Pause ging es dann nochmal zu Fuß in Kleingruppen los zu den Lieblingstieren. Besonders beliebt waren die Schimpansen und die Tiger. Danach brachen wir wieder auf nach San Cristobal und auf dem Rückweg gab es dann etwas was eigentlich in diesem Jahr mit den Kindern kaum vorkam, nämlich Stille und Ruhe vor Erschöpfung und den ganzen neuen Eindrücken. 
Es war wirklich ein sehr gelungener Tag und ich denke ich kann mich auch im Namen der Kinder bei allen Spendern bedanken, die diesen Ausflug und über das Jahr verteilt weitere kleine Aktionen finanziert und möglich gemacht haben! 

Im letzten Monat hatte ich dann nochmal von meinem besten Freund Besuch und ich konnte nochmal die schönen Seiten des Landes erleben. Unter anderem waren wir Paragliden, haben den höchsten Berg der Karibik bestiegen (Pico Duarte - 3074 m), und waren an der Bahia de los Águilas Zelten. Für mich war es auch echt lustig zu sehen, wie er auf das Land reagiert hat und welche Sachen ihm aufgefallen sind, die für mich schon zur Normalität geworden sind.

Bis vor einer Woche dachte ich, dass mir der Abschied von hier nicht so schwer fallen würde, doch jetzt in der letzten Woche wo man immer mehr Menschen, die man in diesem Jahr lieb gewonnen hat, für ungewisse Zeit verabschieden muss, ist es doch traurig. Gestern hatte ich das letzte Fußballtraning und konnte mich vom Team verabschieden, die für mich zu sehr guten Freunden geworden sind. Ceballo (der Trainer) und die Mannschaft haben sich zum Schluss noch bei mir bedankt und mir zum Abschied ein Trikot vom Team geschenkt. Und ein Spieler sagte danach zu mir, dass wir uns so auf der Straße wahrscheinlich nie begegnet wären bzw. befreundet hätten und dass der Fußball so Freundschaften entstehen lässt, die auch später abseits vom Platz fortlaufen. Das war einer der Besten Entscheidungen hier mit dem Fußball anzufangen, denn ohne wäre ich niemals so gut integriert worden.
Heute Abend machen Laika und ich noch eine Abschiedsfeier mit Freunden und Gastfamilie typisch Dominikanisch am Colmado. Es wird noch ein letztes Mal dominikanisches Essen geben und es wird sicherlich nicht nur ein letztes Presidente getrunken. Ich bin mir sicher, dass es heute ein letzter schöner, wenn auch trauriger Abend sein wird.
Der Unterschied zu Deutschland wird mir aber wahrscheinlich erst so richtig deutlich, wenn ich wieder zu Hause ankomme, worauf ich schon sehr gespannt bin. Aber ich freue mich natürlich auch wieder auf meine Familie und Freunde und auf die neuen Aufgaben, die in den nächsten Jahren bevorstehen.

Was ich in diesem Jahr alles erlebt habe ist eigentlich nicht in Worte zu fassen und ich bin einfach unglaublich dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit dazu hatte und dass ich genau in der Dom Rep gelandet bin. Ein Land, das ich höchstwahrscheinlich ohne den Freiwilligendienst nie auf diese Art und Weise kennengelernt hätte. Ein Land, in dem viele Urlauber viel Geld lassen und in dem trotzdem Kinder arbeiten müssen, um Geld für ihre Familien reinzuholen. Ein Land, das unglaublich viele verschiedene Einflüsse in seiner Kultur hat. Ein Land, das nicht nur aus Traumstränden bestehet (so wie auch ich anfangs dachte), sondern eine wunderschöne und abwechslungsreiche Natur hat, die zur gleichen Zeit aber auch wieder vollgemüllt ist. Ein Land, in dem du tun und lassen kannst was du willst und ein Land, das du lieben lernen musst. Ein Land, der starken Kontraste, in das ich unbedingt nochmal zurück möchte! 

Ich danke allen, die über das Jahr hinweg egal auf welchem Wege mit mir Kontakt aufgenommen haben oder an mich gedacht haben, denn es gab auch Zeiten, in denen nicht immer alles perfekt lief und da hat mich der Kontakt nach Hause sehr geholfen. Natürlich bedanke ich mich auch bei meiner Mitfreiwilligen Laika, mit der ich ein Jahr zusammen gewohnt, gelebt und gearbeitet habe und war sehr froh mit ihr das Jahr hier verbringen zu dürfen.
Sehr wahrscheinlich werde ich im Herbst einen Vortrag in der Bürgerhalle in Eppertshausen über mein Jahr hier in der Dom Rep halten, zu dem ihr dann natürlich alle herzlich eingeladen seid! 

Bis bald (diesmal wirklich bald) 

Muchas Gracias y Adiós República Dominicana!

Euer Paul
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Über Änderungen in der Fundacion, tropische Regenfälle und zelten am Strand

Ja es hat leider wieder etwas gedauert mit meinem neuen Eintrag, doch ich bitte das zu entschuldigen und wünsch euch nun viel Spaß beim lesen!

 

Jetzt wo meine Familie schon wieder einen Monat in Deutschland ist und ich wieder vom Urlaub zurück in den Alltagsmodus gewechselt habe, komme ich mal wieder zu einem neuen Blogeintrag. Erst ein Mal muss ich sagen, dass ich die Zeit sehr genossen habe und ich froh war, ihnen so viel zeigen zu können, wie möglich. Denn man bekommt  vor Ort doch einen viel besseren Eindruck, als über Bilder und Erzählungen.  Aber es war auch sehr komisch an den Orten, die man zuvor alleine entdeckt hat oder an denen man täglich vorbeikommt, mit seiner Familie zu sein, die sonst immer so weit weg war. Doch nach den ersten paar Tagen war es dann fast wie ein ganz normaler Urlaub mit denselben Leuten, wie immer, nur dass zum Schluss alle wieder zurück geflogen sind, außer mir.

 

In der Fundacion hat sich nach meinem Urlaub auch so einiges getan. Rosana, die Gründerin von FUDEBMUNI, war zu Besuch, um nach dem Rechten schauen, da sie eigentlich in Deutschland wohnt, aber aus San Cristobal kommt und Dominikanerin ist. In dieser Zeit, in der sie zu Besuch war, haben wir sehr viele Gespräche geführt und überlegt, was alles besser laufen könnte (und das ist einiges). Sie hat uns auch viel über früher erzählt, wie sie das Projekt FUNDEBMUNI gründete und wie es wuchs. Denn bis noch vor vier Jahren wurde das Projekt vom Land Spanien als Entwicklungsprojekt im Ausland finanziell stark unterstützt. Die Fundacion war damals in einem größeren Haus mit eigenem Innenhof, in dem die Kinder spielen konnten und besseren Räumlichkeiten für die Arbeit mit den Kindern. Außerdem waren neben den Freiwilligen, die ja eigentlich nur unterstützen sollen, Psychologen und Erzieher angestellt und es wurden verschiedenste Kurse und Workshops angeboten. Das ganze Angebot wurde auch sehr gut von den Kindern angenommen und es kamen täglich um die 100 an der Zahl. 2011, als Höhepunkt, hat sogar die Spanische Königin Sophia das Projekt FUNDEBMUNI besucht.

 

Doch als 2012 Spanien während der Finanzkrise sparen musste, wurde leider auch FUNDEBMUNI das Geld komplett gestrichen, sodass die Arbeit in diesem Rahmen nicht mehr möglich war. Nach und nach wurde alles verkleinert oder ging verloren. Es fehlt hauptsächlich an Geld und einer strukturierten Führung, deshalb waren Laika und ich in unserem Jahr hauptsächlich alleine mit den Kindern beschäftigt, was für uns auch kein Problem war/ist, doch das erschwert die Arbeit aus mehreren Gründen. Auf der einen Seite sollen wir mit den Kindern spielen und befreundet sein, aber auch gleichzeitig Autorität ausstrahlen und ihnen etwas beibringen. Dabei das richtige Mittelmaß zu finden, war nicht immer einfach. Und die verschiedenen Lehrerinnen/Erzieher, die jeweils für eine gewisse Zeit angestellt waren, hatten teilweise nicht einmal einen Schulabschluss, geschweige denn, eine pädagogische Ausbildung, weil eben das Geld fehlt, um eine kompetente Person einzustellen.

 

Seit fast 4 Wochen haben wir jetzt mit Heidi eine neue Chefin, die von Rosana eingestellt wurde. Vorher gab es nämlich nicht so wirklich jemanden, der für uns verantwortlich, oder unser Ansprechpartner war. Sie hatte jedenfalls schon früher bei FUNDEBMUNI als Psychologin gearbeitet und kennt die Fundacion und die Leute schon gut. Ich hoffe vor allem für die nächsten beiden Freiwilligen, dass sie hier in einer besseren Ausgangslage landen, als wir und daran arbeiten wir gerade. Als weitere Maßnahme wurde Alejandro, ein ehemaliges Kind aus der Fundacion, der jetzt erwachsen und Künstler ist, gefragt, ob er mit uns zusammen einen Kunstkurs leiten würde. Jeden Mittwoch gibt es schon seit ein paar Wochen dieses Angebot, was die meisten Kinder auch gut annehmen. (Ein Paar Bilder davon gibts hier:https://www.dropbox.com/sh/un08hiz98gnhecz/AADh1zP6VLZ00TQwW-Gk3uT_a?dl=0 )

Um die Fundacion von innen wieder etwas schöner zu gestalten, sind wir gerade dabei, sie zu reinigen und neu zu streichen. Außerdem  planen wir einen Ausflug in den Zoo nach Santo Domingo, als Abschlussaktion mit den Kindern, den wir auch mit den Spendengeldern bezahlen werden, das mich aus meiner Kolpingsfamilie in Eppertshausen erreicht hat.

 

Anfang Mai gab es hier nochmals, wie im Oktober, tropische Regenfälle, die fast dramatische Folgen gehabt hätten… Es hat gute drei Tage im Strömen durchgeregnet, was zur Folge hatte, dass der Fluss, der durch San Cristobal fließt, immer weiter anstieg. Es gibt eine Schutzmauer zwischen  Fluss und einem Armenvierte,l direkt in der Stadtmitte(aus dem auch viele unserer Kinder kommen), und wenn diese überschritten wird, verlieren hunderte Menschen ihre Häuser/ihr Hab und Gut. Dies sei wohl vor ca. 10 Jahren schon mal passiert, und es gab dort wohl auch Tote, da einige trotz Warnung ihr Haus nicht verlassen wollten. Zum Glück hatte in diesem Jahr zur Katastrophe noch ein halber Meter gefehlt, doch jedes Jahr aufs Neue in der Angst zu leben, dass man bei den Regenfällen alles verlieren könnte, würde ich nicht wollen. Doch den Menschen bleibt wohl nichts anderes übrig.

 

Eine weitere Folge vom Regen haben aber auch wir direkt in unserem Dorf „Los Cantines“ zu spüren bekommen. Durch den vielen Regen, sei wohl ein irgendwo ein Rohr gebrochen, keiner konnte es mir so richtig sagen, auf jeden Fall hatten wir kein Wasser mehr. Zum Glück hat unsere Familie eine Regenwasserzisterne und so hieß es dann erst mal duschen aus dem Eimer und mit Regenwasser waschen. In Deutschland würde sich nach einem Tag ohne Wasser schon jeder beschweren, doch immer wenn wir nach dem Wasser fragten und wann es kommen würde, hieß es: „Wer weiß das schon, vielleicht nächste Woche“. Doch es kam nie nächste Woche :D So waren wir eben fast einen Monat ohne fließendes Wasser und es war auch mal eine Erfahrung, doch als es am Sonntag zurückkehrte, war ich schon sehr froh.

 

Dann möchte ich euch noch von einem Ereignis erzählen, welches ich nicht so schnell vergessen werde. Ich war zusammen mit noch ein paar anderen Freiwilligen an einem abgelegenen Strand bei Las Galeras übernachten. Von dem kleinen Fischerdorf Las Galeras, das an der Spitze der Halbinsel Samana liegt, haben wir uns vor zwei Wochen zu Fuß zum Playa Fronton aufgemacht. Man kann diesen nur über einen Weg erreichen, der über einen Berg führt. Man kommt nicht anders als zu Fuß oder mit dem Boot hin und deshalb ist er auch so schön abgelegen. Nach einer 2 stündigen Wanderung durch eine wunderschöne, grüne Landschaft erreichten wir einen Felsen, von dem man schon den Playa Fronton, mit dem vorgelagerten Korallen und dem türkisblauen Wasser schauen konnte. Auf dem Weg nach unten haben kamen wir noch an einem Papayabaum vorbei und wir haben uns für die letzen Meter nochmal gestärkt. Nach der relativ anstrengenden Tour in der Hitze ging es für uns alle direkt ins Meer und wir konnten diesen wunderschönen Strand, an dem kein anderer war, komplett alleine genießen. Die meisten von uns hatten Hängematten dabei und diese haben wir an den Palmen in einem Kreis um die Feuerstelle aufgehängt. Einige kümmerten sich dann um das Abendessen (wir haben Nudeln im Meerwasser gekocht, mit Tomatensoße gegessen) während die anderen das Lagerfeuer aufbauten. Den restlichen Abend saßen wir dann um das Feuer, hörten Bachata, aßen Marshmallows und unterhielten uns. Zum Geburtstag habe ich ja auch eine Hängematte geschenkt bekommen in der ich sehr gut und zufrieden einschlief. Das war schon immer mal ein Traum von mir mit Freunden an einem einsamen Strand zu übernachten und es war echt toll :)


Am nächsten morgen sind wir auf dem Rückweg noch an Klippen vorbeigekommen, an denen man Klippenspringen konnte. Dieser Punkt lag direkt an einem Restaurant, welcher für das Springen ausgelegt ist und wir haben den Besitzer gefragt, ob es heute sicher sei und er meinte es wäre kein Problem. So bin ich und noch drei weitere die 16 Meter hinunter, und es war schon eine große Überwindung, hat aber sehr viel Spaß gemacht und hat auch nicht wehgetan. Doch rauf musste man über eine Strickleiter, was fast schwerer war, als das runterspringen. 

Dieses Wochenende war echt toll und jetzt habe ich leider noch einen Strand, wo ich in meinen letzten Monaten unbedingt nochmal hin muss.

Bilder davon gibts hier: https://www.dropbox.com/sh/izdvs0s8f7w394d/AACicYVwrVMOfr1zX0kItSRNa?dl=0



So ich hoffe euch hat der Eintrag gefallen. Ich freue mich immer über Kommentare oder Nachrichten, die ich bekomme. 


Bis bald, hasta luego


Paul 

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Kaum zu glauben die Hälfte ist schon rum - Zwischenseminar und Karneval

Kaum zu glauben, dass schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in der Dom Rep rum ist. Ich komme endlich mal wieder dazu meinen Blog fortzuführen, jetzt werde ich ein wenig über unser Zwischenseminar in Salcedo berichten, sowie den Karneval hier im Land.

 

Wie es das weltwärts-Programm vorsieht, hatten auch wir zu Hälfte unserer Zeit hier, das Zwischenseminar in Salcedo. Geleitet wurde es vom Oficina Tecnica bzw. dem ICJA, einer anderen Entsendeorganisation aus Deutschland und die Teilnehmer waren 4 Freiwillige von ICJA, 4 Freiwillige von EcoSelva, 2 Freiwillige aus der Schweiz, sowie wir Kolping Freiwilligen (Teresa, Laika und Ich). Das Seminar ging von Montag bis Sonntag und war vom Ablauf her ziemlich entspannt. Wir haben unsere Erfahrungen  über verschiedene Themen, wie Problemen in den Gastfamilien oder im Projekt, ausgetauscht und über Lösungsstrategien diskutiert. Außerdem haben wir alle unsere Projekte vorgestellt, und die Projekte der Freiwilligen, die in Salcedo arbeiten sogar besucht. Es war wirklich sehr interessant, zu sehen was die anderen machen und in welchen unterschiedlichen Bereichen sie arbeiten, beispielsweise arbeitet eine auf einer Schule für Gehörlose und die andere gibt Kurse für Schwerverbrecher im Gefängnis von Salcedo.

 

Das ganze Seminar über wurde Spanisch gesprochen, da es auch von zwei symphytischen und jungen  Dominikanern geleitet wurde, was ich persönlich super fande. Wir haben auch darüber gesprochen, ob es sinnvoll ist, was wir hier machen. Denn von den beiden Schweizern, die auch auf dem Seminar waren, hatte der eine, eine abgeschlossene Ausbildung als Erzieher, und die andere gerade ihr Psychologiestudium beendet und aus dem Grund können sie in ihrem Projekt viel professioneller und effektiver, als zum Beispiel wir arbeiten. Wir haben nämlich nicht diese Qualifikationen und Erfahrungen und haben trotzdem viel Verantwortung im Projekt. Aber dann habe ich mir auch gedacht, wenn wir nicht in unserem Projekt die Arbeit machen würden, würde es keiner machen, da kein Geld für weiteres Personal vorhanden ist. Deshalb ist es schon gut und wichtig, dass wir hier sind.

 

Ein großes Thema war auch die dominikanische Kultur und es war lustig zu sehen, dass wir in diesem Bereich fast alle die gleichen Erfahrungen gemacht hatten. Die Kultur hier ist sehr vielfältig und lässt sich nur schwer kompakt zusammenfassen, doch auf 5 Punkte, die uns allen aufgefallen sind möchte ich nochmal eingehen:

 

 

1. Religion

 

Hier allgegenwärtig und immer präsent – das Sprechen von, über und mit Gott. Sei es beim einsteigen in die Guagua, wenn es heißt: „Dios bendiga todos“ (Gott segne euch alle), im Gespräch: „Si Dios quiere“ (So Gott will), beim spontanen Gebet im Bus, wo einer laut vorbetet oder in den Kirchen, die hier viel zahlreicher besucht sind. Beispielhaft ist auch der Spruch: „Dios primero “ (Gott zuerst), und für viele Dominikaner ist das ihr Lebensmotto. Ich habe auch schon von vielen Beziehungen gehört, die wegen des Glaubens und den unterschiedlichen Ansichten zerbrochen sind.

 

 

2. Sprache und Umgangston

 

„Dime! Dame! “ (Sags mir! Gibs mir!) Einer der Strandartfloskeln im Gespräch. Die direkte Ansprache, die teilweise auch  unhöflich ist, ist einfach normal. Die Dominikaner scheint es nicht zu stören, wenn man bei einer Frage das „Bitte“ weglässt, sowie das „Danke“ wenn man einen Gefallen tut. Was in Deutschland jedes kleine Kind lernt ist hier nicht gängig, was für mich sehr gewöhnungsbedürftig war bzw. immer noch ist. Zum Beispiel erwarte ich schon mindestens mal ein „Bitte“, wenn ich in der Fundacion einem erwachsenen Menschen die Tür öffnen soll, die er genau so gut auch selber aufmachen könnte. Das sage ich dann demjenigen aber auch und meistens bekomme ich jetzt ein „Danke“.

 

Der direkte Umgangston hat aber auch Vorteile, es wird nämlich nicht so um den heißen Brei geredet und man kommt meistens in einem Gespräch zum Punkt. Genau so ist es auf der Straße, wenn man eine Person anspricht, dessen Namen man nicht kennt, wird er auf sein äußeres reduziert und auch so gerufen. Ob „moreno“ (brauner), flaco (dünner), negro (schwarzer), gordo (dicker) oder wie wir gerufen werden „banco“ oder „rubio“ (weißer, blonder). Anfangs störte es schon, wenn man immer nur auf seine Hautfarbe reduziert wurde, aber viel nerviger ist es, wenn daher auch auf seine vermeidliche Herkunft geschlossen wird (wir werden immer als die „Americanos“ bezeichnet).

 

 

3. Musik

 

Ob Bachata, Merrengue oder Regaeton. Musik hört man ihr überall und zu jeder Uhrzeit. Es ist schon ganz ungewohnt, wenn man mal nichts hört, denn man kommt hier schlecht drum herum (Dauerbeschallung im Colmado, in der Guagua, im Restaurant, aus vorbeifahrenden Autos oder aus den Radios in den Häusern) Meine Lieblingsmusikrichtung ist definitiv Bachata, weil sie immer etwas beruhigendes hat, man aber genauso gut auch darauf tanzen kann. Hörbeispiele von meinem Lieblingssänger Frank Reyes gibt’s hier: https://www.youtube.com/watch?v=kR7Z1MjVUSg  

 

 

4. Essen

 

Obwohl wir von dem dominikanischen Essen gar nicht so viel haben, da wir immer selbst kochen, hab ich schon alles Mögliche ausprobiert und gegessen. Das klassische Frühstück besteht aus Mangu (Zerdrückter Kochbanane mit Zwiebel), frittiertem Ei und frittierter Salami. Hatte ich schon öfters kann aber auch gut drauf verzichten :D Lieber esse ich Müsli mit tropischen Früchten (Mango, Papaya, Ananas, Maracuja, Banane) oder Brötchen mit Avocado und Spiegelei.               

 

Mittags ist der Klassiker Reis mit Bohnen und Hühnchen, was wir aber nur essen, wenn unsere Gastoma für uns kocht. Sonst gibt es alle mögliche Variationen von Kochbanane (normale oder süße) und viel Yuka (Maniokwurzel). Es gibt sehr viele Freiwillige, die jeden Tag Reis haben, und es nicht mehr sehen können, daher bi ich eigentlich ganz froh, dass ich es nur ab und zu habe, da es so sehr lecker bleibt und ich es immer wieder gern esse.

 

 

5. Machismo

 

„Pssssss, Pssssss, Rubia“ – Einen Nachruf, den ich schon so oft gehört habe, dass es sogar mich schon nervt, obwohl ich nicht einmal gemeint bin. Denn immer wenn ich mit Laika unterwegs bin wird ihr hinterher „gepsssssst“ oder hinterher gerufen´, doch auch die normale Dominikanerin bekommt das zu hören. Das kommt daher, da man durch das ständige anmachen der Frauen die Männlichkeit der Dominikaner nicht in Frage stellen kann. Beim Machismo geht es vor allem um Würde und Männlichkeit, was auf die Dauer doch sehr anstrengend sein kann.

 

Im Seminar  haben wir auch besprochen, welche Dinge wir in unseren Projekten bislang erreicht und durchgesetzt haben, und was wir noch machen wollen. Beispielsweise haben wir uns vorgenommen im Mai mit den Kindern der Fundacion einen Ausflug in den Zoo nach Santo Domingo zu machen, was nur wegen der vielen Spendengelder möglich ist, die uns hier erreicht haben. Außerdem wollen wir wieder etwas mehr Struktur in den Fundacionalltag bringen und die Kinder mit mehr Aufgaben fordern und weiterbringen. Diese Methoden haben einem gut gezeigt, was man schon alles erreicht hat und einen nochmal neu motiviert für die restliche Zeit, die verbleibt.

 

 

Neben den theoretischen Teilen hatten wir auch viel Zeit uns einfach so gegenseitig auszutauschen und auch viele Aktionen, wie ein gemeinsames Kochen, ein Ausflug in das Centro de Leon in Santiago (tolles Museum über dominikanische Kultur und Geschichte) und am letzten Tag des Seminares haben wir den Karneval in La Vega besucht.

 

Der Karneval in La Vega, so wurde es zu mindestens mir gesagt, sei nach Rio de Jainero der zweitgrößte und zweitbekannteste der Welt. Der Karneval findet hier, anders als in Deutschland, nicht nur ein Wochenende statt, sondern jeden Sonntag im Februar und das nicht nur in La Vega, sondern auch in Jarabacoa, Bonao, Santo Domingo, San Cristobal und vielen weiteren Städten der Dom Rep, doch La Vega ist der populärste. Man kann es sich in etwa wie den Rosenmontagsumzug vorstellen, nur dass die Gruppen ohne Umzugswagen unterwegs sind und die Kostüme und Masken viel aufwändiger, bunter und größer sind. An jedem Sonntag ist jedenfalls in La Vega Ausnahmezustand, die ganze Innenstadt ist gesperrt und es findet eine riesige Party statt. Der Umzug läuft durch zwei große Straßen und links und rechts stehen die Menschenmassen oder wenn man Glück hat, findet man Platz auf einer der Tribünen. Die Gruppen rennen förmlich durch die Menge und die meisten haben einen festen Ballon an einem Seil in der Hand, mit denen sie dann Schläge auf das Hinterteil der Besucher verteilen, die nicht aufpassen und sich nicht rechtzeitig wegdrehen. Eine Tradition, die wohl dazu gehört, aber ziemlich schmerzhaft sein kann, was ich am eigenen Leib erfahren habe. In den Nebenstraßen der zwei großen Umzugsstraßen wurden Bühnen unter Zeltdächern aufgebaut, auf denen hat dann ein DJ auflegt und auf alle mögliche Musik wurde getanzt und gefeiert.

 

Um zu ein Paar Bildern vom Seminar und vom Karneval zu gelangen bitte hier klicken: https://www.dropbox.com/sh/rmu6opar93yt9bu/AABbQ7-AMOoopfu9DOeGHX2ja?dl=0

 

 

Zur dieser Zeit haben wir auch in der Fundacion ein kleines Karnevalsfest veranstaltet. Zuerst hat sich jedes Kind eine eigene Maske gebastelt und mit Steinchen, Buntstiften und Glitzer verziert. Danach haben sie die Masken aufgezogen und wir haben verschiedene Spiele gespielt. Die Favoriten der Kinder waren vor allem Reise nach Jerusalem und Stopptanzen, was viel Spaß gemacht hat. Danach gab es noch Kekse, Softdrinks und Bonbons.

 

Momentan ist schon ein Teil meiner Familie zu Besuch, was mich natürlich sehr freut, aber leider auch zeigt, dass sich das Jahr schon zum Ende hin neigt. Leider hatte ich in den letzten Wochen und Monaten nur wenig Zeit, für zum Beispiel auch den Blog. Ich spiele seit Weihnachten zwei Mal die Woche in einer Mannschaft Fußball und unternehme auch so mehr unter der Woche mit Dominikanern. Doch ich versuche mit dem Blog dran zu bleiben und euch auf dem Laufenden zu halten. Mir gefällt es momentan richtig gut und ich will gar nicht daran denken, schon in fünf Monaten gehen zu müssen.

 

Bilder vom Karneval in der Fundacion hier: https://www.dropbox.com/sh/aftvom5fc63ysnc/AAA084Xz4iCA9YhETphF9Nnna?dl=0

 

 

Liebe Grüße nach Deutschland!

 

 

Paul

 

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Über unsere Reise an der Nordküste

Um die Bilder anschauen zu können müsst ihr den jeweiligen Link kopieren und in einem neuen Fenster öffnen :)

Zwei Wochen nach unserer Reise bin ich schon wieder mitten drin im Arbeitsalltag, aber schaue immer wieder gerne auf die zwei Wochen zurück, die wir an der Nordküste des Landes verbracht hatten. Unser Ziel war es einmal die ganze Nordküste von Westen(der haitianischen Grenze) bis in den Osten(der Halbinsel Samana) entlang zu reisen. Und ich kann jetzt schon vorweg nehmen es war eine Reise mit unglaublich vielen Höhepunkten, die ich nicht so schnell vergessen werde. Aber fangen wir erst einmal von vorne an:

 

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Über die Weihnachtszeit und das fremde Land im Osten

Kurz vor dem Weihnachtsfest melde ich mich mal wieder aus der wunderschönen Dom Rep.  Leider bin ich immer noch nicht wirklich in Weihnachtsstimmung, aber wie denn auch? Bei immer noch sehr heißen Temperaturen und einem Umfeld, in dem es gar nicht möglich ist, besinnlich oder ruhig zu  werden. Denn wie muss ein Fest werden, damit es einem Dominikaner gefällt? Laut und bunt. Fast jedes Haus hier ist mit Lichterketten geschmückt, die in allen möglichen Farben blinken und leuchten. Ebenso der Park in San Cristóbal, welcher tagsüber nicht besonders schön ist, wird in den Nacht durch die, mit Lichterketten umwickelten Bäume, sogar recht schön. Im Radio und auf den Straßen hört man dominikanische Weihnachtsklassiker, welche im Gegensatz zu den Liedern die in Deutschland laufen, wie „Last Christmas“, eine gute Abwechslung sind. Gegenüber von der Kirche San Cristóbals wurde eine große Grippe aufgebaut, zwar etwas kitschig, aber eigentlich ganz schön. Was mich etwas gewundert hat, ist, dass es in den Familien weder einen Adventskalender, noch einen Adventskranz gibt. Generell war es auch komisch die Vorweihnachtszeit ohne das gewohnte Umfeld zu verbringen, wie den Weihnachtsmarkt, den lebendigen Adventskalender, den Christbaum, die Adventsgottesdienste und die Familie. Aber auf der anderen Seite war es auch wirklich spannend zu sehen, was für die Dominikaner „typisch Weihnachten“ ist. Dazu gehört nämlich zum Beispiel auch das Essen von Trauben und Äpfeln. Obst, das für uns eher normal ist, ist hier momentan sehr gefragt. Auf dem Markt und an vielen Straßenständen bekommt man es angeboten, doch vergleichsweise teuer, weil das Obst nicht hier wächst und aus den USA importiert werden muss. Ein Apfel kostet beispielsweise 80 Cent. Vielleicht ist es aber auch jetzt so beliebt, da man sich es im Dezember eher leisten kann, denn momentan bekommen alle Leute ihr Weihnachtsgeld und man merkt auch, dass mehr Geld im Umlauf ist. Straßen werden neu gemacht, Ampeln installiert, Häuser renoviert, Möbel lackiert, usw…

 

Laika und ich hatten uns Gedanken gemacht, was wir mit den Kindern in der Fundación zum Thema Weihnachten machen könnten. Wir fanden es schade, dass wir keinen Weihnachtsbaum haben und deshalb haben wir einfach einen gebastelt. Aus zwei grünen DIN-A3 Blättern haben wir einen großen Baum ausgeschnitten und an die Wand geklebt. Wir haben den Kindern dann Vorlagen gegeben und jedes konnte seinen eigenen Anhänger basteln und an de Baum hängen.

 

Außerdem haben wir  in den darauf folgenden Wochen Strohsterne aus Schaschlickspießen und kleine gefaltete Engel gebastelt. (Einige von euch kennen diese bestimmt schon :D)

 

Die Kinder bekommen jeden Tag nach der Fundación eine Tüte Milch (manchmal auch Schokomilch) und ein Brötchen, als Nachmittagssnack (hier auch als Merienda bekannt). An Nikolaus haben wir mit den Kindern aus diesen Milchtüten viele Stiefel gebastelt, den wir zum Schluss mit Süßigkeiten gefüllt haben und ihnen dazu die Nikolausgeschichte erzählt. Sie wussten nämlich gar nicht wer das ist und wie das bei uns in Deutschland abläuft. Insgesamt haben den Kindern unsere Ideen sehr gut gefallen, was uns natürlich sehr freut, und wir hoffen, dass wir ihnen etwas von unserer Weihnachtskultur mitgeben konnten.

 

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Der dominikanische Alltag, Pizzabacken in der Fundación und karibische Träume

 

Im heutigen Blogeintrag werde ich euch etwas über den Alltag und die Freizeitbeschäftigung der Dominikaner hier bei uns im Ort „Los Cantines“ erzählen. Am vergangenen Wochenende wurden wir von Rubio, einem Freund von Yulisse, mit dem wir uns auch gut verstehen und gerne mal einen „Wein“ trinken, zu seinem Softballspiel eingeladen. (Der Wein in Anführungszeichen, da man ihn nicht als Wein, sondern nur als Traubensaft mit leichter Alkoholnote beschreiben kann) Softball ist eigentlich das gleiche, wie Baseball. Nur der Ball ist größer und wird von unten geworfen. Das Team „Los Emprenendores de Los Cantines“ stand vor dem Derby gegen das Nachbardorf aus „Haina“. Gespielt wurde auf einem grasbewachsenen Platz hinter der Schule und zu meiner Überraschung waren sowohl aus Haina, als auch aus Los Cantines einige Zuschauer gekommen. Es gab zwei Spiele und jede Mannschaft konnte am Ende eines für sich entscheiden. Also ich kann sagen, dass Softball hier nicht mehr zu meiner Lieblingssportart wird, da einfach sehr lange im Spiel nichts passiert und ziemlich viel diskutiert wird. Doch das war wiederum lustig zu sehen, wie sich die Männer aufregen können und mit wie viel Leidenschaft sie bei diesem Spiel dabei waren. Insgesamt war es aber ein schöner Vormittag und wir konnten mal bei dem Nationalsport  live dabei sein. Denn man kann sagen, dass neben Basketball und im Frauenbereich vielleicht noch Volleyball, Softball/Baseball die beliebteste Sportart des Landes ist.

 

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Cabarete und das erste Mal im Viertel

Ja mich gibt’s auch noch. Endlich komme ich mal wieder dazu einen Blogeintrag zu schreiben. Und eigentlich sollte es ja ein gutes Zeichen sein, wenn man nicht dazu kommt zu scheiben. Es ist tatsächlich so, dass ich mich hier nur sehr selten langweile und ich mich jetzt wirklich gut eingelebt habe. Heute beispielsweise war ich auf dem Weg zum Bus und dann wurde mein Name gerufen. Ich drehte mich um und eine halbe Schulklasse, welche gerade auch dem Heimweg war, hat mich begrüßt. Davon kannte ich einige Kinder aus der Fundación und es war irgendwie lustig die ganzen Menschen zu sehen, die sich bestimmt dachten: „Wie, der kennt hier Leute und ist kein Tourist?“ Auch wenn man  durch unser Dorf „Los Cantines“ läuft,  wissen die Menschen so langsam, wer wir sind und was wir hier machen. Und manchmal, wenn man Glück hat, wird man von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer mitgenommen, der uns kennt.

Erschreckend ist aber eigentlich, dass schon zwei Monate meiner Zeit hier herum sind und es zu mindestens hier schon stark auf Weihnachten zugeht. Viele Häuser sind mit  Lichterketten geschmückt und in Supermärkten kann man schon Weihnachtsbäume kaufen(aus Plastik versteht sich :D) Unsere Nachbarn haben einen Weihnachtsbaum aus Autoreifen und angemalten Plastikmüll vor ihrem Haus stehen, was ich noch ziemlich cool finde. Die Zeit geht aber auch so schnell rum, da wir fast jedes Wochenende etwas unternehmen und es eigentlich nie Leerlauf gibt, auch unter der Woche.

 

Vor zwei Wochen beispielsweise haben wir uns mit einigen Freiwilligen, die wir schon auf dem Oktoberfest in Salcedo kennengelernt hatten in Cabarete an der Nordküste der Dom Rep getroffen. Cabarete ist als „der Surfhotspot“ hier  bekannt und ein Mal im Jahr findet dort auch der Weltcup statt. Dementsprechend touristisch ist der ganze Ort auch geprägt. Zur Anreise haben wir ganze 8 Stunden im eiskalten Caribetours Bus verbracht und waren wirklich froh, als wir unsere Unterkunft erreicht hatten. Wir wussten nicht, wo wir landen. Uns wurde nur gesagt, dass es dort ein Hostel für 10€ die Nacht gebe. Im Endeffekt sind wir in einem total schönen Bungalowdorf mit Pool  gelandet. Wir konnten in 5 Minuten zum Meer laufen und haben direkt einmal um Mitternacht bei Vollmond ein Bad im warmen Atlantikwasser genommen. Erst am nächsten Mittag konnte man sehen, wie schön der Strand von Cabarete wirklich ist. Natürlich nicht wirklich einsam und sehr touristisch mit vielen Bars und Restaurants, aber der hellgelbe, weiche Sand und das tiefblaue Wasser waren einfach unglaublich. Den Tag haben wir entspannt unter den Palmen und beim Beachvolleyball spielen verbracht. Bei unserer Unterkunft konnte man auch kostenlose Fahrräder leihen und es war schon ungewohnt wieder auf dem Rad zu sitzen. Hier im Land fährt auch kaum jemand Rad, da es gar keine Radwege gibt und es auf den Straßen viel zu gefährlich ist. Den Abend haben wir dann mit ausreichend Cuba Libre genossen und uns gut unterhalten.

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Hurrikan Matthew und das Oktoberfest in Salcedo

Erst einmal, mir geht’s gut! Es scheint ja auch in Deutschland in den Medien gewesen zu sein, dass der Hurrikan Matthew über die Karibik gezogen ist und viel Schaden angerichtet hat. Über 300 Todesopfer soll es allein in Haiti gegeben haben. Ausgerechnet das Land, das ohnehin schon schwer getroffen war von dem Tsunami vor einigen Jahren und in dem die Menschen noch viel ärmer sind als hier, hat es wieder getroffen. Ich habe nur Bilder von Überschwemmungen und den Resten von Häusern gesehen, die der Sturm hinterlassen hat und man fragt sich schon, warum das eine Land auf der Insel verwüstet wird, und wir so ein Glück hatten. Denn wir haben hier gar nicht so viel davon mitbekommen. Es hieß, dass ein Sturm kommen soll und wir von Montag bis Mittwoch keine Arbeit haben werden, da alle Schulen und Kindergärten geschlossen sind (So zusagen „Regenfrei“) Die Kinder von Yulisse haben sich natürlich gefreut, doch schon am ersten Tag wurde uns allen langweilig. Mir scheint, als würden sich generell 80% des Lebens außerhalb der Häuser abspielen. Normalerweise bauen die Kinder draußen Drachen und lassen sie fliegen, fahren Fahrrad oder spielen einfach. Und auch die meisten Erwachsenen sitzen draußen auf ihren Plastikstühlen, besuchen ihre Nachbarn und Freunde und unterhalten sich. Wenn wir nach der Arbeit von der Bushaltestelle durch das Dorf zu uns nach Hause laufen,  spielt das Leben nur so auf der Straße. Aber die vergangen Tage hat sich keiner aus dem Haus getraut, doch nach zwei Tagen Platzregen, Wind und Sturm, war alles vorbei und bei uns gab es keine Überschwemmungen oder Zerstörungen an den Häusern. Am Donnerstag hat schon wieder die Sonne geschienen und ich wollte zur Arbeit in den Kindergarten, doch da waren weder die Erzieherin, noch die Kinder. Am Abend wurde mir dann gesagt, dass wegen des Hurrikans gleich die ganze Woche keine Fundación und Kindergarten ist. Im Nachhinein war es eine sehr langweilige Woche, die man auch nicht wirklich nutzen konnte. Ich bin auf jeden Fall glücklich und erleichtert, dass hier nichts Schlimmes passiert ist, doch für die Menschen in Haiti, deren Häuser zu 90% zerstört worden sind, kann man nur beten.

 

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Reise nach Bonao, der verrückte Verkehr und was sonst noch passiert ist

Am letzen Wochenende wollten Laika und Ich die andere Freiwillige Teresa in Bonao besuchen. Damit es sich lohnt sind wir also direkt nach der Arbeit von der Fundación aus losgefahren und hatten unsere Sachen bereits in einem Rucksack eingepackt. Das günstigste öffentliche Verkehrsmittel ist die Guagua, an welche wir auch eine sehr gute Anbindung haben. Jedenfalls mussten wir dann in Santo Domingo umsteigen und von einem Autobahnkreuz zu einem anderen gelangen. Wir haben den „Shuttle“ relativ schnell gefunden auch wenn er total überfüllt war. Ein Kleinbus, der normalerweise für 7-9 Personen gedacht ist, war mit der doppelten Anzahl gefüllt und ich saß auch noch ganz außen an der offenen Tür. Das scheint hier aber ganz normal zu sein.

 

Der Verkehr ist ohnehin verrückt: Überholt wird rechts, sowie links. Auf der Autobahn wird einfach rechts rangefahren, um Leute einzuladen. Kaum einer ist angeschnallt, selbst wenn man es wollte, ist kein Gurt da. Die meisten Autos und Busse sind so alt und kaputt, dass kaum eines in Deutschland über den TÜV kommen würde. Auf den Motorrädern sitzen bis zu 4 Personen, alle ohne Helm. Rechts vor Links scheint es auch nicht zu geben – Eher das Prinzip, wer hupt hat Vorfahrt. Nur ganz wenige haben einen Führerschein und bei uns auf dem Dorf fahren ungelogen 10 jährige einen Motorroller. Auf den Autos und Bussen findet man auch immer Aufkleber mit den Aufschriften: „Alles überlässt man Gott“ oder „Wenn Gott auf meiner Seite ist, wer ist dann gegen mich“ Und ich denke mir immer, dass man bei dem Verkehr auch eine ordentliche Portion Gottvertrauen benötigt. Ich habe einmal Yulisse gefragt, ob es denn keine Verkehrsregeln gäbe und sie meinte: „Doch, aber es hält sich keiner dran“ Und es scheint wirklich so, denn die Polizei unternimmt auch nichts. Das ist auch der Grund, warum es hier so viele Verkehrsunfälle und Tote gibt. Naja ich hoffe, dass wir in diesem Jahr verschont bleiben :D

 

An dem anderen Autobahnkreuz angekommen, haben wir uns in einen großen, klimatisierten (eiskalten) Reisebus gesetzt und sind nach Bonao gefahren. Insgesamt waren wir nur 2,5 Stunden unterwegs und haben dafür ca.4 € gezahlt. So viel bezahlt man zu Hause von Dieburg nach Darmstadt mit der Bahn :D. In Bonao wurden wir dann von Teresa und einem Mitarbeiter der Kolpingschule, in der sie arbeitet, abgeholt. Die Freude war groß, sich wieder zu sehen und nach 3 Wochen gab es bereits einiges zu erzählen. Erst sind wir noch kurz ein Paar Lebensmittel fürs Wochenende einkaufen gegangen und dann wurden in das Kolpingzentrum gefahren. Dort gibt es 2 Gästezimmer, in denen wir freundlicherweise für 2 Nächte kostenlos mit Teresa übernachten durften.

 

In Bonao ist das Zentrum der Kolpingsfamilien in der Dominikanischen Republik. Sie haben eine eigene Schule, in der sie verschiedene Kurse für wenig Geld anbieten. Beispielsweise einen Englischkurs oder einen Computerkurs. Außerdem haben sie auch einen Kindergarten, in dem Teresa auch arbeitet. Eugenio, der Mentor von Teresa, hat gemeinsam mit 3 weiteren Männern vor einigen Jahren Kolping aus Deutschland in die Dom Rep geholt und mittlerweile gibt es um die 500 Mitglieder im Land. Von Eugenio wurden wir noch am gleichen Abend in sein Haus zum Essen eingeladen. Er arbeitet ehrenamtlich bei Kolping, ist aber als Hauptberuf Zahnarzt. Wie wir erfahren hatten verdienen am Besten die Anwälte, Politiker und Ärzte im Land und das konnte  man auch an seinem Haus sehen. Im Vergleich zu den anderen in der Straße ist es richtig herausgestochen – ein Riesenhaus, wie eine Villa und auch von innen total schick eingerichtet. Das war schon komisch, vor allem, wenn man sieht, wie die anderen Menschen hier leben. Gegessen haben wir dann mit Eugenio, seiner Ehefrau und seiner Tochter. Er hat noch 3 weitere Söhne. Es gab Reis mit einem Eintopf aus Kartoffeln, Yuca, Hähnchen und Schweinefleisch und dazu Avocado. Es war richtig lecker und das erste Mal hatten wir zartes Fleisch von guter Qualität. Wir saßen anschließend noch eine Weile im Garten, haben Mango gegessen und uns schön unterhalten.

 

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San Cristóbal,Santo Domingo und die große Hitze

Zwei aufregende Wochen in der Dominikanischen Republik liegen nun schon hinter mir und es gibt einiges zu erzählen.

 

Erst einmal zum Wetter: Ich habe mir zwar schon gedacht, dass es heiß werden wird. Aber momentan ist es bei der Hitze kaum auszuhalten, vor allem in der Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Auch in der Wohnung geht es nur mit Ventilator. Auch abends, da die Häuser hier nicht Isoliert sind und die schwüle Luft in der Wohnung steht. Wir können noch froh sein, denn wir wohnen etwas höher auf einem Hügel vor San Cristóbal und dort geht manchmal ein kühles Lüftchen. Das mag sich vielleicht anhören, als wäre ich zimperlich, aber es ist wirklich anstrengend. Da kommt einem ein Regentag ganz entgegen, der alles abkühlt und den Staub aus der Luft auf den Boden holt. Mir erscheint, als würde das Leben der meisten Dominikaner zu 80% außerhalb des Hauses auf den Straßen stattfinden, doch wenn es mal regnet ist kein Mensch auf den Straßen zu finden.

 

Bis jetzt haben wir immer nur montags, mittwochs und freitags in der Fundación gearbeitet und waren noch nicht im Preescolar (Kindergarten/Vorschule), wo wir eigentlich dienstags und donnerstags sein sollten, da dieser erst die kommende Woche aufmacht. Somit hatten wir schon viel Zeit San Cristóbal und die Strände in der Umgebung zu erkunden.

 

Von unserer Wohnung aus dauert es zu Fuß 10 Minuten bis zur Guagua(dem kleinen Bus, bei dem man einfach ein und austeigen kann) und dann noch einmal 15 Minuten bis in die Innenstadt. San Cristóbal hat nicht so viel zu bieten. Es ist zwar eine relativ große Stadt, aber wegen der Nähe zur Hauptstadt reduziert sich die Stadt auf einige Läden, einen großen Markt und verschiedene Wohnviertel. Die  Stadt ist außerdem meistens sehr Laut und schmutzig, da sich auch nirgendwo Mülleimer befinden. Dann wird der Müll halt eben auf die Straße geworfen und es gibt auch keine Müllabfuhr. Beispielsweise verbrennt Paulina (die Mama von Yulisse) unseren Müll hinter dem Haus und das mache einige so. Es ist wirklich erschreckend wie die Leute das schöne Land mit so viel Müll überhäufen, dass teilweise Mülllawienen entstehen.

 

In der Fundación geht es mit den Kindern besser voran. Im Sommer kam eine große Spende von Kanadiern für die Einrichtung, sodass neben uns nun auch noch eine Lehrerin die Kinder betreut. Das ist ganz praktisch, da die Kinder auf sie auch meistens hören. Zuerst machen sie dann immer ihre Hausaufgaben oder Aufgaben von der Lehrerin und wir schauen nach ihnen und helfen wo wir können. Die letzte dreiviertel Stunde spielen wir dann immer Spiele oder ich habe Zeit einzelnen Kindern etwas auf dem Klavier beizubringen, was auch wirklich gut klappt.

 

Am vergangenen Freitag haben wir dann mir den Kindern im gegenüberliegenden Stadion Sport gemacht, wobei es eigentlich nur darauf ankommt sich zu bewegen und auszupowern. Das wollen wir jetzt immer machen, da die kleinen echt viel Energie haben.

 

Mit meinem spanisch komme ich immer besser voran, doch oft bleiben bei der Kommunikation Schwierigkeiten, da die meisten Dominikaner sehr schnell und undeutlich sprechen und ich oft nachfragen muss.

 

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Zeit Abschied zu nehmen

Ja irgendwie kann ich es selbst kaum glauben, dass es das jetzt schon war, denn vor allem die letzten Monate vergingen wie im Flug, doch morgen heißt es schon Koffer packen und zurück nach Deutschland.

Bereits vor mehr als einem Monat, als die Schulferien begannen und somit auch die Fundacion geschlossen hatte, mussten Laika und Ich uns von den Kindern verabschieden. In unserer letzen Woche waren wir mit ihnen noch einmal Eis essen und haben eine Abschiedsfeier mit Spielen und Musik in der Fundacion gemacht. Aber das große Highlight dieser Woche war der Ausflug in den Zoo nach Santo Domingo, den wir organisiert hatten. Die Kinder freuten sich seit Wochen auf diesen Tag und als es dann eines morgens so weit war, war die Aufregung und Freude riesig. Denn einige der Kinder sind noch nie aus San Cristobal raus nach Santo Domingo gekommen, geschweige denn in den Zoo. Die Guagua (den Kleinbus), die wir für den Tag gemietet hatten, war mit ca. 35 Kindern + 8 Betreuern sehr gut gefüllt und man hatte das Gefühl, man würde wieder in der 3. Klasse sein und einen Schulausflug machen. Zu meinem Erstaunen benahmen sich die Kinder für ihr Verhältnisse nicht nur auf der Fahrt, sondern auch im Zoo ziemlich gut. Am Zoo angekommen ging es dann für die ganze Gruppe in eine Bimmelbahn, die uns durch den großen Zoo fuhr, und eine Frau erzählte über die Lautsprecher immer etwas über die jeweiligen Tiere, an denen wir vorbeiführen. Somit ging auch der Hintergedanke auf in den Zoo zu fahren, da die Kinder dort vielleicht noch etwas lernen könnten. Nach der Rundfahrt gingen wir zu dem zooeigenen Spielplatz, wo die Kinder ihren Spaß hatten, während wir Hot Dogs und Getränke als Mittagessen vorbereiteten. Nach der Pause ging es dann nochmal zu Fuß in Kleingruppen los zu den Lieblingstieren. Besonders beliebt waren die Schimpansen und die Tiger. Danach brachen wir wieder auf nach San Cristobal und auf dem Rückweg gab es dann etwas was eigentlich in diesem Jahr mit den Kindern kaum vorkam, nämlich Stille und Ruhe vor Erschöpfung und den ganzen neuen Eindrücken. 
Es war wirklich ein sehr gelungener Tag und ich denke ich kann mich auch im Namen der Kinder bei allen Spendern bedanken, die diesen Ausflug und über das Jahr verteilt weitere kleine Aktionen finanziert und möglich gemacht haben! 

Im letzten Monat hatte ich dann nochmal von meinem besten Freund Besuch und ich konnte nochmal die schönen Seiten des Landes erleben. Unter anderem waren wir Paragliden, haben den höchsten Berg der Karibik bestiegen (Pico Duarte - 3074 m), und waren an der Bahia de los Águilas Zelten. Für mich war es auch echt lustig zu sehen, wie er auf das Land reagiert hat und welche Sachen ihm aufgefallen sind, die für mich schon zur Normalität geworden sind.

Bis vor einer Woche dachte ich, dass mir der Abschied von hier nicht so schwer fallen würde, doch jetzt in der letzten Woche wo man immer mehr Menschen, die man in diesem Jahr lieb gewonnen hat, für ungewisse Zeit verabschieden muss, ist es doch traurig. Gestern hatte ich das letzte Fußballtraning und konnte mich vom Team verabschieden, die für mich zu sehr guten Freunden geworden sind. Ceballo (der Trainer) und die Mannschaft haben sich zum Schluss noch bei mir bedankt und mir zum Abschied ein Trikot vom Team geschenkt. Und ein Spieler sagte danach zu mir, dass wir uns so auf der Straße wahrscheinlich nie begegnet wären bzw. befreundet hätten und dass der Fußball so Freundschaften entstehen lässt, die auch später abseits vom Platz fortlaufen. Das war einer der Besten Entscheidungen hier mit dem Fußball anzufangen, denn ohne wäre ich niemals so gut integriert worden.
Heute Abend machen Laika und ich noch eine Abschiedsfeier mit Freunden und Gastfamilie typisch Dominikanisch am Colmado. Es wird noch ein letztes Mal dominikanisches Essen geben und es wird sicherlich nicht nur ein letztes Presidente getrunken. Ich bin mir sicher, dass es heute ein letzter schöner, wenn auch trauriger Abend sein wird.
Der Unterschied zu Deutschland wird mir aber wahrscheinlich erst so richtig deutlich, wenn ich wieder zu Hause ankomme, worauf ich schon sehr gespannt bin. Aber ich freue mich natürlich auch wieder auf meine Familie und Freunde und auf die neuen Aufgaben, die in den nächsten Jahren bevorstehen.

Was ich in diesem Jahr alles erlebt habe ist eigentlich nicht in Worte zu fassen und ich bin einfach unglaublich dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit dazu hatte und dass ich genau in der Dom Rep gelandet bin. Ein Land, das ich höchstwahrscheinlich ohne den Freiwilligendienst nie auf diese Art und Weise kennengelernt hätte. Ein Land, in dem viele Urlauber viel Geld lassen und in dem trotzdem Kinder arbeiten müssen, um Geld für ihre Familien reinzuholen. Ein Land, das unglaublich viele verschiedene Einflüsse in seiner Kultur hat. Ein Land, das nicht nur aus Traumstränden bestehet (so wie auch ich anfangs dachte), sondern eine wunderschöne und abwechslungsreiche Natur hat, die zur gleichen Zeit aber auch wieder vollgemüllt ist. Ein Land, in dem du tun und lassen kannst was du willst und ein Land, das du lieben lernen musst. Ein Land, der starken Kontraste, in das ich unbedingt nochmal zurück möchte! 

Ich danke allen, die über das Jahr hinweg egal auf welchem Wege mit mir Kontakt aufgenommen haben oder an mich gedacht haben, denn es gab auch Zeiten, in denen nicht immer alles perfekt lief und da hat mich der Kontakt nach Hause sehr geholfen. Natürlich bedanke ich mich auch bei meiner Mitfreiwilligen Laika, mit der ich ein Jahr zusammen gewohnt, gelebt und gearbeitet habe und war sehr froh mit ihr das Jahr hier verbringen zu dürfen.
Sehr wahrscheinlich werde ich im Herbst einen Vortrag in der Bürgerhalle in Eppertshausen über mein Jahr hier in der Dom Rep halten, zu dem ihr dann natürlich alle herzlich eingeladen seid! 

Bis bald (diesmal wirklich bald) 

Muchas Gracias y Adiós República Dominicana!

Euer Paul
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Über Änderungen in der Fundacion, tropische Regenfälle und zelten am Strand

Ja es hat leider wieder etwas gedauert mit meinem neuen Eintrag, doch ich bitte das zu entschuldigen und wünsch euch nun viel Spaß beim lesen!

 

Jetzt wo meine Familie schon wieder einen Monat in Deutschland ist und ich wieder vom Urlaub zurück in den Alltagsmodus gewechselt habe, komme ich mal wieder zu einem neuen Blogeintrag. Erst ein Mal muss ich sagen, dass ich die Zeit sehr genossen habe und ich froh war, ihnen so viel zeigen zu können, wie möglich. Denn man bekommt  vor Ort doch einen viel besseren Eindruck, als über Bilder und Erzählungen.  Aber es war auch sehr komisch an den Orten, die man zuvor alleine entdeckt hat oder an denen man täglich vorbeikommt, mit seiner Familie zu sein, die sonst immer so weit weg war. Doch nach den ersten paar Tagen war es dann fast wie ein ganz normaler Urlaub mit denselben Leuten, wie immer, nur dass zum Schluss alle wieder zurück geflogen sind, außer mir.

 

In der Fundacion hat sich nach meinem Urlaub auch so einiges getan. Rosana, die Gründerin von FUDEBMUNI, war zu Besuch, um nach dem Rechten schauen, da sie eigentlich in Deutschland wohnt, aber aus San Cristobal kommt und Dominikanerin ist. In dieser Zeit, in der sie zu Besuch war, haben wir sehr viele Gespräche geführt und überlegt, was alles besser laufen könnte (und das ist einiges). Sie hat uns auch viel über früher erzählt, wie sie das Projekt FUNDEBMUNI gründete und wie es wuchs. Denn bis noch vor vier Jahren wurde das Projekt vom Land Spanien als Entwicklungsprojekt im Ausland finanziell stark unterstützt. Die Fundacion war damals in einem größeren Haus mit eigenem Innenhof, in dem die Kinder spielen konnten und besseren Räumlichkeiten für die Arbeit mit den Kindern. Außerdem waren neben den Freiwilligen, die ja eigentlich nur unterstützen sollen, Psychologen und Erzieher angestellt und es wurden verschiedenste Kurse und Workshops angeboten. Das ganze Angebot wurde auch sehr gut von den Kindern angenommen und es kamen täglich um die 100 an der Zahl. 2011, als Höhepunkt, hat sogar die Spanische Königin Sophia das Projekt FUNDEBMUNI besucht.

 

Doch als 2012 Spanien während der Finanzkrise sparen musste, wurde leider auch FUNDEBMUNI das Geld komplett gestrichen, sodass die Arbeit in diesem Rahmen nicht mehr möglich war. Nach und nach wurde alles verkleinert oder ging verloren. Es fehlt hauptsächlich an Geld und einer strukturierten Führung, deshalb waren Laika und ich in unserem Jahr hauptsächlich alleine mit den Kindern beschäftigt, was für uns auch kein Problem war/ist, doch das erschwert die Arbeit aus mehreren Gründen. Auf der einen Seite sollen wir mit den Kindern spielen und befreundet sein, aber auch gleichzeitig Autorität ausstrahlen und ihnen etwas beibringen. Dabei das richtige Mittelmaß zu finden, war nicht immer einfach. Und die verschiedenen Lehrerinnen/Erzieher, die jeweils für eine gewisse Zeit angestellt waren, hatten teilweise nicht einmal einen Schulabschluss, geschweige denn, eine pädagogische Ausbildung, weil eben das Geld fehlt, um eine kompetente Person einzustellen.

 

Seit fast 4 Wochen haben wir jetzt mit Heidi eine neue Chefin, die von Rosana eingestellt wurde. Vorher gab es nämlich nicht so wirklich jemanden, der für uns verantwortlich, oder unser Ansprechpartner war. Sie hatte jedenfalls schon früher bei FUNDEBMUNI als Psychologin gearbeitet und kennt die Fundacion und die Leute schon gut. Ich hoffe vor allem für die nächsten beiden Freiwilligen, dass sie hier in einer besseren Ausgangslage landen, als wir und daran arbeiten wir gerade. Als weitere Maßnahme wurde Alejandro, ein ehemaliges Kind aus der Fundacion, der jetzt erwachsen und Künstler ist, gefragt, ob er mit uns zusammen einen Kunstkurs leiten würde. Jeden Mittwoch gibt es schon seit ein paar Wochen dieses Angebot, was die meisten Kinder auch gut annehmen. (Ein Paar Bilder davon gibts hier:https://www.dropbox.com/sh/un08hiz98gnhecz/AADh1zP6VLZ00TQwW-Gk3uT_a?dl=0 )

Um die Fundacion von innen wieder etwas schöner zu gestalten, sind wir gerade dabei, sie zu reinigen und neu zu streichen. Außerdem  planen wir einen Ausflug in den Zoo nach Santo Domingo, als Abschlussaktion mit den Kindern, den wir auch mit den Spendengeldern bezahlen werden, das mich aus meiner Kolpingsfamilie in Eppertshausen erreicht hat.

 

Anfang Mai gab es hier nochmals, wie im Oktober, tropische Regenfälle, die fast dramatische Folgen gehabt hätten… Es hat gute drei Tage im Strömen durchgeregnet, was zur Folge hatte, dass der Fluss, der durch San Cristobal fließt, immer weiter anstieg. Es gibt eine Schutzmauer zwischen  Fluss und einem Armenvierte,l direkt in der Stadtmitte(aus dem auch viele unserer Kinder kommen), und wenn diese überschritten wird, verlieren hunderte Menschen ihre Häuser/ihr Hab und Gut. Dies sei wohl vor ca. 10 Jahren schon mal passiert, und es gab dort wohl auch Tote, da einige trotz Warnung ihr Haus nicht verlassen wollten. Zum Glück hatte in diesem Jahr zur Katastrophe noch ein halber Meter gefehlt, doch jedes Jahr aufs Neue in der Angst zu leben, dass man bei den Regenfällen alles verlieren könnte, würde ich nicht wollen. Doch den Menschen bleibt wohl nichts anderes übrig.

 

Eine weitere Folge vom Regen haben aber auch wir direkt in unserem Dorf „Los Cantines“ zu spüren bekommen. Durch den vielen Regen, sei wohl ein irgendwo ein Rohr gebrochen, keiner konnte es mir so richtig sagen, auf jeden Fall hatten wir kein Wasser mehr. Zum Glück hat unsere Familie eine Regenwasserzisterne und so hieß es dann erst mal duschen aus dem Eimer und mit Regenwasser waschen. In Deutschland würde sich nach einem Tag ohne Wasser schon jeder beschweren, doch immer wenn wir nach dem Wasser fragten und wann es kommen würde, hieß es: „Wer weiß das schon, vielleicht nächste Woche“. Doch es kam nie nächste Woche :D So waren wir eben fast einen Monat ohne fließendes Wasser und es war auch mal eine Erfahrung, doch als es am Sonntag zurückkehrte, war ich schon sehr froh.

 

Dann möchte ich euch noch von einem Ereignis erzählen, welches ich nicht so schnell vergessen werde. Ich war zusammen mit noch ein paar anderen Freiwilligen an einem abgelegenen Strand bei Las Galeras übernachten. Von dem kleinen Fischerdorf Las Galeras, das an der Spitze der Halbinsel Samana liegt, haben wir uns vor zwei Wochen zu Fuß zum Playa Fronton aufgemacht. Man kann diesen nur über einen Weg erreichen, der über einen Berg führt. Man kommt nicht anders als zu Fuß oder mit dem Boot hin und deshalb ist er auch so schön abgelegen. Nach einer 2 stündigen Wanderung durch eine wunderschöne, grüne Landschaft erreichten wir einen Felsen, von dem man schon den Playa Fronton, mit dem vorgelagerten Korallen und dem türkisblauen Wasser schauen konnte. Auf dem Weg nach unten haben kamen wir noch an einem Papayabaum vorbei und wir haben uns für die letzen Meter nochmal gestärkt. Nach der relativ anstrengenden Tour in der Hitze ging es für uns alle direkt ins Meer und wir konnten diesen wunderschönen Strand, an dem kein anderer war, komplett alleine genießen. Die meisten von uns hatten Hängematten dabei und diese haben wir an den Palmen in einem Kreis um die Feuerstelle aufgehängt. Einige kümmerten sich dann um das Abendessen (wir haben Nudeln im Meerwasser gekocht, mit Tomatensoße gegessen) während die anderen das Lagerfeuer aufbauten. Den restlichen Abend saßen wir dann um das Feuer, hörten Bachata, aßen Marshmallows und unterhielten uns. Zum Geburtstag habe ich ja auch eine Hängematte geschenkt bekommen in der ich sehr gut und zufrieden einschlief. Das war schon immer mal ein Traum von mir mit Freunden an einem einsamen Strand zu übernachten und es war echt toll :)


Am nächsten morgen sind wir auf dem Rückweg noch an Klippen vorbeigekommen, an denen man Klippenspringen konnte. Dieser Punkt lag direkt an einem Restaurant, welcher für das Springen ausgelegt ist und wir haben den Besitzer gefragt, ob es heute sicher sei und er meinte es wäre kein Problem. So bin ich und noch drei weitere die 16 Meter hinunter, und es war schon eine große Überwindung, hat aber sehr viel Spaß gemacht und hat auch nicht wehgetan. Doch rauf musste man über eine Strickleiter, was fast schwerer war, als das runterspringen. 

Dieses Wochenende war echt toll und jetzt habe ich leider noch einen Strand, wo ich in meinen letzten Monaten unbedingt nochmal hin muss.

Bilder davon gibts hier: https://www.dropbox.com/sh/izdvs0s8f7w394d/AACicYVwrVMOfr1zX0kItSRNa?dl=0



So ich hoffe euch hat der Eintrag gefallen. Ich freue mich immer über Kommentare oder Nachrichten, die ich bekomme. 


Bis bald, hasta luego


Paul 

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Kaum zu glauben die Hälfte ist schon rum - Zwischenseminar und Karneval

Kaum zu glauben, dass schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in der Dom Rep rum ist. Ich komme endlich mal wieder dazu meinen Blog fortzuführen, jetzt werde ich ein wenig über unser Zwischenseminar in Salcedo berichten, sowie den Karneval hier im Land.

 

Wie es das weltwärts-Programm vorsieht, hatten auch wir zu Hälfte unserer Zeit hier, das Zwischenseminar in Salcedo. Geleitet wurde es vom Oficina Tecnica bzw. dem ICJA, einer anderen Entsendeorganisation aus Deutschland und die Teilnehmer waren 4 Freiwillige von ICJA, 4 Freiwillige von EcoSelva, 2 Freiwillige aus der Schweiz, sowie wir Kolping Freiwilligen (Teresa, Laika und Ich). Das Seminar ging von Montag bis Sonntag und war vom Ablauf her ziemlich entspannt. Wir haben unsere Erfahrungen  über verschiedene Themen, wie Problemen in den Gastfamilien oder im Projekt, ausgetauscht und über Lösungsstrategien diskutiert. Außerdem haben wir alle unsere Projekte vorgestellt, und die Projekte der Freiwilligen, die in Salcedo arbeiten sogar besucht. Es war wirklich sehr interessant, zu sehen was die anderen machen und in welchen unterschiedlichen Bereichen sie arbeiten, beispielsweise arbeitet eine auf einer Schule für Gehörlose und die andere gibt Kurse für Schwerverbrecher im Gefängnis von Salcedo.

 

Das ganze Seminar über wurde Spanisch gesprochen, da es auch von zwei symphytischen und jungen  Dominikanern geleitet wurde, was ich persönlich super fande. Wir haben auch darüber gesprochen, ob es sinnvoll ist, was wir hier machen. Denn von den beiden Schweizern, die auch auf dem Seminar waren, hatte der eine, eine abgeschlossene Ausbildung als Erzieher, und die andere gerade ihr Psychologiestudium beendet und aus dem Grund können sie in ihrem Projekt viel professioneller und effektiver, als zum Beispiel wir arbeiten. Wir haben nämlich nicht diese Qualifikationen und Erfahrungen und haben trotzdem viel Verantwortung im Projekt. Aber dann habe ich mir auch gedacht, wenn wir nicht in unserem Projekt die Arbeit machen würden, würde es keiner machen, da kein Geld für weiteres Personal vorhanden ist. Deshalb ist es schon gut und wichtig, dass wir hier sind.

 

Ein großes Thema war auch die dominikanische Kultur und es war lustig zu sehen, dass wir in diesem Bereich fast alle die gleichen Erfahrungen gemacht hatten. Die Kultur hier ist sehr vielfältig und lässt sich nur schwer kompakt zusammenfassen, doch auf 5 Punkte, die uns allen aufgefallen sind möchte ich nochmal eingehen:

 

 

1. Religion

 

Hier allgegenwärtig und immer präsent – das Sprechen von, über und mit Gott. Sei es beim einsteigen in die Guagua, wenn es heißt: „Dios bendiga todos“ (Gott segne euch alle), im Gespräch: „Si Dios quiere“ (So Gott will), beim spontanen Gebet im Bus, wo einer laut vorbetet oder in den Kirchen, die hier viel zahlreicher besucht sind. Beispielhaft ist auch der Spruch: „Dios primero “ (Gott zuerst), und für viele Dominikaner ist das ihr Lebensmotto. Ich habe auch schon von vielen Beziehungen gehört, die wegen des Glaubens und den unterschiedlichen Ansichten zerbrochen sind.

 

 

2. Sprache und Umgangston

 

„Dime! Dame! “ (Sags mir! Gibs mir!) Einer der Strandartfloskeln im Gespräch. Die direkte Ansprache, die teilweise auch  unhöflich ist, ist einfach normal. Die Dominikaner scheint es nicht zu stören, wenn man bei einer Frage das „Bitte“ weglässt, sowie das „Danke“ wenn man einen Gefallen tut. Was in Deutschland jedes kleine Kind lernt ist hier nicht gängig, was für mich sehr gewöhnungsbedürftig war bzw. immer noch ist. Zum Beispiel erwarte ich schon mindestens mal ein „Bitte“, wenn ich in der Fundacion einem erwachsenen Menschen die Tür öffnen soll, die er genau so gut auch selber aufmachen könnte. Das sage ich dann demjenigen aber auch und meistens bekomme ich jetzt ein „Danke“.

 

Der direkte Umgangston hat aber auch Vorteile, es wird nämlich nicht so um den heißen Brei geredet und man kommt meistens in einem Gespräch zum Punkt. Genau so ist es auf der Straße, wenn man eine Person anspricht, dessen Namen man nicht kennt, wird er auf sein äußeres reduziert und auch so gerufen. Ob „moreno“ (brauner), flaco (dünner), negro (schwarzer), gordo (dicker) oder wie wir gerufen werden „banco“ oder „rubio“ (weißer, blonder). Anfangs störte es schon, wenn man immer nur auf seine Hautfarbe reduziert wurde, aber viel nerviger ist es, wenn daher auch auf seine vermeidliche Herkunft geschlossen wird (wir werden immer als die „Americanos“ bezeichnet).

 

 

3. Musik

 

Ob Bachata, Merrengue oder Regaeton. Musik hört man ihr überall und zu jeder Uhrzeit. Es ist schon ganz ungewohnt, wenn man mal nichts hört, denn man kommt hier schlecht drum herum (Dauerbeschallung im Colmado, in der Guagua, im Restaurant, aus vorbeifahrenden Autos oder aus den Radios in den Häusern) Meine Lieblingsmusikrichtung ist definitiv Bachata, weil sie immer etwas beruhigendes hat, man aber genauso gut auch darauf tanzen kann. Hörbeispiele von meinem Lieblingssänger Frank Reyes gibt’s hier: https://www.youtube.com/watch?v=kR7Z1MjVUSg  

 

 

4. Essen

 

Obwohl wir von dem dominikanischen Essen gar nicht so viel haben, da wir immer selbst kochen, hab ich schon alles Mögliche ausprobiert und gegessen. Das klassische Frühstück besteht aus Mangu (Zerdrückter Kochbanane mit Zwiebel), frittiertem Ei und frittierter Salami. Hatte ich schon öfters kann aber auch gut drauf verzichten :D Lieber esse ich Müsli mit tropischen Früchten (Mango, Papaya, Ananas, Maracuja, Banane) oder Brötchen mit Avocado und Spiegelei.               

 

Mittags ist der Klassiker Reis mit Bohnen und Hühnchen, was wir aber nur essen, wenn unsere Gastoma für uns kocht. Sonst gibt es alle mögliche Variationen von Kochbanane (normale oder süße) und viel Yuka (Maniokwurzel). Es gibt sehr viele Freiwillige, die jeden Tag Reis haben, und es nicht mehr sehen können, daher bi ich eigentlich ganz froh, dass ich es nur ab und zu habe, da es so sehr lecker bleibt und ich es immer wieder gern esse.

 

 

5. Machismo

 

„Pssssss, Pssssss, Rubia“ – Einen Nachruf, den ich schon so oft gehört habe, dass es sogar mich schon nervt, obwohl ich nicht einmal gemeint bin. Denn immer wenn ich mit Laika unterwegs bin wird ihr hinterher „gepsssssst“ oder hinterher gerufen´, doch auch die normale Dominikanerin bekommt das zu hören. Das kommt daher, da man durch das ständige anmachen der Frauen die Männlichkeit der Dominikaner nicht in Frage stellen kann. Beim Machismo geht es vor allem um Würde und Männlichkeit, was auf die Dauer doch sehr anstrengend sein kann.

 

Im Seminar  haben wir auch besprochen, welche Dinge wir in unseren Projekten bislang erreicht und durchgesetzt haben, und was wir noch machen wollen. Beispielsweise haben wir uns vorgenommen im Mai mit den Kindern der Fundacion einen Ausflug in den Zoo nach Santo Domingo zu machen, was nur wegen der vielen Spendengelder möglich ist, die uns hier erreicht haben. Außerdem wollen wir wieder etwas mehr Struktur in den Fundacionalltag bringen und die Kinder mit mehr Aufgaben fordern und weiterbringen. Diese Methoden haben einem gut gezeigt, was man schon alles erreicht hat und einen nochmal neu motiviert für die restliche Zeit, die verbleibt.

 

 

Neben den theoretischen Teilen hatten wir auch viel Zeit uns einfach so gegenseitig auszutauschen und auch viele Aktionen, wie ein gemeinsames Kochen, ein Ausflug in das Centro de Leon in Santiago (tolles Museum über dominikanische Kultur und Geschichte) und am letzten Tag des Seminares haben wir den Karneval in La Vega besucht.

 

Der Karneval in La Vega, so wurde es zu mindestens mir gesagt, sei nach Rio de Jainero der zweitgrößte und zweitbekannteste der Welt. Der Karneval findet hier, anders als in Deutschland, nicht nur ein Wochenende statt, sondern jeden Sonntag im Februar und das nicht nur in La Vega, sondern auch in Jarabacoa, Bonao, Santo Domingo, San Cristobal und vielen weiteren Städten der Dom Rep, doch La Vega ist der populärste. Man kann es sich in etwa wie den Rosenmontagsumzug vorstellen, nur dass die Gruppen ohne Umzugswagen unterwegs sind und die Kostüme und Masken viel aufwändiger, bunter und größer sind. An jedem Sonntag ist jedenfalls in La Vega Ausnahmezustand, die ganze Innenstadt ist gesperrt und es findet eine riesige Party statt. Der Umzug läuft durch zwei große Straßen und links und rechts stehen die Menschenmassen oder wenn man Glück hat, findet man Platz auf einer der Tribünen. Die Gruppen rennen förmlich durch die Menge und die meisten haben einen festen Ballon an einem Seil in der Hand, mit denen sie dann Schläge auf das Hinterteil der Besucher verteilen, die nicht aufpassen und sich nicht rechtzeitig wegdrehen. Eine Tradition, die wohl dazu gehört, aber ziemlich schmerzhaft sein kann, was ich am eigenen Leib erfahren habe. In den Nebenstraßen der zwei großen Umzugsstraßen wurden Bühnen unter Zeltdächern aufgebaut, auf denen hat dann ein DJ auflegt und auf alle mögliche Musik wurde getanzt und gefeiert.

 

Um zu ein Paar Bildern vom Seminar und vom Karneval zu gelangen bitte hier klicken: https://www.dropbox.com/sh/rmu6opar93yt9bu/AABbQ7-AMOoopfu9DOeGHX2ja?dl=0

 

 

Zur dieser Zeit haben wir auch in der Fundacion ein kleines Karnevalsfest veranstaltet. Zuerst hat sich jedes Kind eine eigene Maske gebastelt und mit Steinchen, Buntstiften und Glitzer verziert. Danach haben sie die Masken aufgezogen und wir haben verschiedene Spiele gespielt. Die Favoriten der Kinder waren vor allem Reise nach Jerusalem und Stopptanzen, was viel Spaß gemacht hat. Danach gab es noch Kekse, Softdrinks und Bonbons.

 

Momentan ist schon ein Teil meiner Familie zu Besuch, was mich natürlich sehr freut, aber leider auch zeigt, dass sich das Jahr schon zum Ende hin neigt. Leider hatte ich in den letzten Wochen und Monaten nur wenig Zeit, für zum Beispiel auch den Blog. Ich spiele seit Weihnachten zwei Mal die Woche in einer Mannschaft Fußball und unternehme auch so mehr unter der Woche mit Dominikanern. Doch ich versuche mit dem Blog dran zu bleiben und euch auf dem Laufenden zu halten. Mir gefällt es momentan richtig gut und ich will gar nicht daran denken, schon in fünf Monaten gehen zu müssen.

 

Bilder vom Karneval in der Fundacion hier: https://www.dropbox.com/sh/aftvom5fc63ysnc/AAA084Xz4iCA9YhETphF9Nnna?dl=0

 

 

Liebe Grüße nach Deutschland!

 

 

Paul

 

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Über unsere Reise an der Nordküste

Um die Bilder anschauen zu können müsst ihr den jeweiligen Link kopieren und in einem neuen Fenster öffnen :)

Zwei Wochen nach unserer Reise bin ich schon wieder mitten drin im Arbeitsalltag, aber schaue immer wieder gerne auf die zwei Wochen zurück, die wir an der Nordküste des Landes verbracht hatten. Unser Ziel war es einmal die ganze Nordküste von Westen(der haitianischen Grenze) bis in den Osten(der Halbinsel Samana) entlang zu reisen. Und ich kann jetzt schon vorweg nehmen es war eine Reise mit unglaublich vielen Höhepunkten, die ich nicht so schnell vergessen werde. Aber fangen wir erst einmal von vorne an:

 

25.12 - 27.12 Buen Hombre/Monte Christi

Am ersten Weihnachtsfeiertag ging es mit vollgepacktem Rucksack und sehr viel Vorfreude los. Mit dem Bus sind wir (Leo, Laika und ich) von Santo Domingo aus bis nach Villa Vasquez gefahren, eine Stadt, die circa eine halbe Stunde vom Meer entfernt liegt. Dort hatten wir eine Unterkunft über AirBnB gebucht, doch als wir fragten, wo denn das Hotel liege, wurde uns gesagt, dass es in einem Dorf am Stand sei, doch es gebe dorthin keine Busverbindung. Die Dämmerung setzte schon ein und so blieb uns nichts anderes übrig, als ein Motoconcho (Motorradtaxi) zu nehmen. Und so fuhren wir bei Sonnenuntergang auf einer Landstraße über riesige Felder, auf denen sogar Kühe weideten. Dies hatte ich so zuvor hier noch nie gesehen, denn die Landschaft ist ganz anders, als bei uns im Süden. Nach einer Weile kämpfte sich das Motorrad über mehrere Hügel und als wir den höchsten erreicht hatten, konnte man die Weiten des Atlantiks bewundern und unten an der Küste bereits das Fischerdorf Buen Hombre erkennen, in dem auch unser Hotel liegt. Dort angekommen wunden wir schon erwartet und in unser Zimmer gebracht. Das Hotel liegt direkt am Strand und hat einen großen Balkon mit Meerblick, auf dem wir es uns direkt gemütlich gemacht haben und den restlichen Sonnenuntergang genossen haben. Danach haben wir noch in einem kleinen Fischrestaurant sehr leckeren, frittierten Fisch gegessen und uns an den Strand gelegt und die Sterne betrachtet. Der Strand Buen Hombre liegt so abgeschieden an der Küste, sodass es sehr dunkel war und wir unglaublich viele Sterne sehen konnten.

 

Am nächten Morgen sind wir in die Stadt Monte Christi gefahren, die fast an der haitianischen Grenze liegt, um zum „Morro“ zu fahren. Zwischen der Stadt Monte Christi und dem Morro ist das Land ganz flach und übersät von Salinen, welche zur Gewinnung von Salz dienen. Am Ende des flachen Naturschutzgebietes steht ein einzelner Berg (Morro). Von oben hatte man einen wundervollen Ausblick auf die Badebucht und den „Schuh“, einen Felsen der im Wasser liegt. Anschließend waren wir noch im erfrischenden Atlantik baden und haben den zweiten Weihnachtsfeiertag auf eine besondere Art und Weise genossen.

 

Gegen Nachmittag kamen wir wieder in Buen Hombre an und wir sahen auf dem Meer einige Kitesurfer. Wie sich herausstellte, gibt es dort eine Kitesurfschule und ich fragte direkt, ob ich es lernen könne. Direkt am nächsten Morgen versuchte ich mein Glück. Erst durfte ich mit einem kleineren Kite an Land üben. Das funktionierte relativ schnell, sehr gut und so ging es mit einem ca. 6 Meter breiten Kite ins Wasser (ohne Board) Es war sehr windig und ich merkte schnell, wie viel Kraft dieser Kite mich zog. Nachdem ich den Drachen auch im Wasser bedienen konnte kam nun der schwerste Teil – nämlich das surfen. Bestimmt 2 Stunden lang wollte es nicht gelingen. Immer wenn der Kite anzog, legte es mich sofort wieder hin, was auch ziemlich schmerzhaft war, da das Wasser sehr flach und darunter Korallen waren. Doch irgendwann klappte es und ich konnte einige Meter fahren. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und nach 5 Stunden und vielen Splittern in der Hand stand trotzdem fest: Das muss ich nochmal machen! An dem gleichen Abend machten wir uns noch auf zur unserer nächsten Station.

 

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28.12 LUPERON/La Isabela

Am nächsten Morgen sind wir in Luperon aufgewacht. Dort in der Nähe befindet sich die Ausgrabungsstätte „La Isabela“, die wir besuchen wollten. Die Bucht von La Isabela ist so schön, dass man versteht, warum Kolumbus, der zum ersten Mal 1493 an dieser Stelle landete, sein Haus dort erbaute. Heute findet man an diesem Ort ein interessantes Museum mit Erklärungen und Fundstücken, sowie die Ruinen der alten Häuser, von denen man nur noch die Grundrisse erkennen kann.

Nach ein weinig Geschichtsunterricht gingen wir dann nochmal zum palmenumsäumten Strand von La Isabela.

 

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29.12 puerto plata

Am kommenden Tag machten wir uns dann auf den Weg zur viertgrößten Stadt der Dom Rep, nämlich Puerto Plata. Die Region um Puerto Plata ist sehr touristisch mit vielen Residenzen, All Inclusive Hotels und großen Golfplätzen und einem eigenen Flughafen für die Stadt. Das liegt auch daran, da Puerto Plata eine sehr schöne und saubere Altstadt, mit vielen viktorianischen Häusern und Bauten, hat. Außerdem gibt es auch einen modernen und schönen Mallecon (Das ist, wie in anderen Ländern die Promenade am Meer) und all diese Sachen besichtigten wir diesem Tag.

Den nächsten Morgen fuhren wir mit der einzigen Gondel, die es in der Karibik gibt (auch Teleferico genannt), auf den Hausberg von Puerto Plata, der ungefähr 800 Meter hoch ist und im Rücken der Stadt liegt. Oben angekommen hatte man einen großartigen Ausblick auf Puerto Plata, das Meer und die dahinterliegenden Buchten. Dort oben gibt es auch einen großen Park mit schönen Wegen und Aussichtsplatformen, sowie die Christo Statue, die der in Rio de Jainero nachempfunden ist, jedoch deutlich kleiner. Eigentlich wollten wir danach noch eine große Rumfabrik in der Stadt besichtigen, doch wir waren zu spät dran und so fuhren wir mit der Guagua weiter zu unserer Nächten Station.

 

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30.12 - 01.01 silvester in Cabarete

In einem meiner vergangenen Blogeinträge habe ich schon ein Mal über Cabarete geschrieben. Es hatte uns so gut gefallen, dass wir beschlossen hatten Silvester an diesem Ort zu verbringen. Das letzte Mal waren wir in dem Surfcamp, doch es war leider schon ausgebucht. So suchten wir eine andere Unterkunft und sind in einem coolen Hostel, mit Billardtisch, Küche, Pool usw. und mit vielen jungen Leuten aus der ganzen Welt gelandet. Doch nur für die erste Nacht konnte man uns ein Bett versichern (da es wirklich voll war über Silvester), aber in der Silvesternacht durften wir auf den Sofas im Gemeinschaftsraum schlafen. Und mit der voraussichtlichen ohnehin kurzen Nacht war das auch kein Problem. Niklas, ein Freiwilliger von EcoSelva, den wir bereits gut kannten hat sich spontan auch noch dazu entschieden über Silvester nach Cabarete zu kommen. Jedenfalls schafften wir es an diesem Abend noch an den Strand zu kommen und sind beim traumhaften Sonnenuntergang im warmen Wasser baden gegangen.

 

Den letzten Tag des Jahres verbrachten dann auch hauptsächlich Strand. Ich skypte noch kurz mit meiner Familie, bei denen schon das neue Jahr begonnen hatte und danach machten wir uns fertig für die große Party. Wir gingen erst im Restaurant vom Surfcamp, das wir ja bereits kannten, super leckere, marinierte, dünne Steaks mit Tostones (frittierte Kochbanane) essen. Dabei konnte man das Raclette fast vergessen :D. Und danach kauften wir uns eine Flasche Rum und setzten uns an den Strand und redeten viel über das vergangene Jahr 2016, in dem für uns alle sehr viel passiert ist. Es war sehr viel los und an den Zahlreichen Strandclubs, Bars und Restaurants standen viele Dominikaner, aber auch einige Touristen. Ehe wir uns versahen war es schon 00:00 und wir stießen auf ein neues Jahr an, in dem noch viel auf uns zukommen wird. Eigentlich ist das Feuerwerk hier in der Dom Rep komplett verboten und man kann auch nirgendwo Raketen oder Böller kaufen, doch eine Gruppe direkt neben uns hatte eine Batterie und so hatten wir unser eigenes kleines Feuerwerk am Strand. Danach ging es aber erst so richtig los bis in die frühen Morgenstunden mit vielen verschiedenen DJ´s am Strand – ich glaube, das beste Silvester, was ich je hatte.

 

Am nächten Tag hatten wir es nur noch geschafft zu unserer nächsten Unterkunft in Rio San Juan zu gelangen und fielen dort auch direkt in unsere Betten.

 

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02.01 - 04.01 Rio San Juan

Rio San Juan ist für die Lagune Gri Gri bekannt, die direkt in der Stadt liegt. In dem kristallklaren Wasser der Lagune waren wir auch direkt baden und haben uns anschließend einen tollen Sonnenuntergang am Strand von Rio San Juan angeschaut. Die Bilder deuten leider immer nur an, wie schön es in Wirklichkeit war. Wir hatten noch ein Restaurant entdeckt, in dem man eines der Nationalgerichte essen kann, nämlich Mofongo, was Laika und ich noch nie probiert hatten. Das ist ein großer frittierter Ball aus Mangu (wie Kartoffelbrei aus Kochbanane) und Chicharones (Frittierte Haut mit Speck vom Schwein) und das ganze mit Käse überbacken – echt lecker :)

 

Der nächste Morgen begann verhältnismäßig früh, da wir eine Bootstour von der Lagune aus ins Meer machten, und vor den Touristen, die über den Tag kommen würden, da sein wollten. Von der Lagune wurden wir von einem Dominikaner durch den Fluss in den Mangrovenwald gefahren. Es war schon atemberaubend, da hunderte Vögel in den Bäumen saßen und zwitscherten oder von dem Geräusch des Motors aufgeschreckt wurden und wegflogen. Bei hohem Wellengang sahen wir eine Höhle und fuhren in den sogenannten piscina natural, weil das Wasser dort so klar und hellblau war, dass es aussah, wie in einem Pool. Das haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen darin zu baden. Den Nachmittag sind wird dann noch an einen nahegelegenen berühmten Strand, den Playa Grande, gefahren, der wie erwartet von vielen Touristen besucht war. Doch der Strand ist sehr lang und breit, sodass wir weiter hinten unsere Ruhe hatten.

 

Am folgenden Tag verabschiedeten wir uns aus Rio San Juan und machten uns auf den Weg nach Samana. Auf halber Strecke hatte uns mein Reiseführer den kleinsten Nationalpark der Dom Rep empfohlen, den Cabo Frances Viejo. Ich hatte ja gedacht, dass die Orte vom Reiseführer besonders in der Hauptreisesaison überlaufen seien, doch erstaunlicherweise waren wir gerade an diesen Orten immer alleine. Der Cabo Frances Viejo ist eine kleine Landzunge, an deren Ende ein eingestürzter Leuchtturm steht. Man konnte bis vorne zur Klippe laufen und sehen wie das tiefblaue Atlantikwasser auf die Felsen peitscht und viele Vögel beobachten. Das war echt ein schöner Ausflug auf halber Strecke bei der relativ langen Busfahrt nach Samana.

 

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05.01 - 09.01. samana

Las Terrenas ist eine kleine Stadt im Norden von der Halbinsel Samana. Sie wird immer beliebter für Alternativtouristen und ist aber längst kein Geheimtipp mehr. Dementsprechend gut besucht war die Stadt, die einige schöne Strände in der Umgebung hat. 
In Las Terrenas haben wir uns mit zwei weiteren Freiwilligen (Kevin und Antonia) getroffen. Kevin hat einen Freund, der ein Haus in Las Terrenas oberhalb der Stadt auf einem Hügel hat, und welcher gerade auf Reiser war und uns sein Haus überlassen hat. Nicht nur, dass wir schon kostenlos dort übernachten durften, vom dem Haus aus hat man Blick auf Las Terrenas und das Meer. Außerdem eine Küche im Freien auf der Terasse und ein wunderschönes Grundstück. Die folgenden Nächte übernachten wir immer dort, kochten selbst und hatten schöne Abende.
Am ersten Tag waren wir am Strand, direkt in Las Terrenas, der auch ganz schön war, doch wir mussten mit dem Motorradtaxi hinfahren, was nicht ganz billig war und so beschlossen wir für die kommenden zwei Tage ein Auto zu mieten, da man damit viel Besser alle Orte in Samana erreichen kann. 
Wir hatten auch relativ schnell ein günstiges Auto gefunden, das groß genug für uns alle war und da es Automatik war und alle anderen keine Erfahrung damit hatten bin ich gefahren, was aber auf den ruhigen und gut ausgebauten Straßen von Samana kein Problem war.
Den nächsten Tag fuhren wir zum Salto de Limon, einen großen Wasserfall in der Mitte von Samana. Das erste was wir sahen, als wir ankamen, waren Pferde und uns wollte man auch direkt eine Tour auf dem Pferd zum Salto verkaufen, doch wir entscheiden und dazu zu laufen, was auch, bis auch die Pferde die einem entgegen kamen, kein Problem war. Es ging circa 1 1/2 Stunden leicht bergauf bis man das Rauschen des Wasserfalles hören konnte und er sah wirklich beeindruckend aus. Man konnte in dem kühlen Becken unter dem Wasserfall baden und eine prasselnde Regendusche nehmen. Ich bin sogar von einem kleinen Vorsprung ein Stück vom Wasserfall runtergesprungen und es war echt den Weg wert. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Auto noch an einen Strand, an dem wirklich kein Mensch weit und breit zu sehen war und genossen dort einen weitern Sonnenuntergang. Ich muss schon sagen wir hatten auch auf der ganzen Reise echt Glück mit dem Wetter, eigentlich immer Sonne, und sahen so viele Strände, dass man sie kaum aufzählen kann, einer schöner als der andere. Ich kann das Land zum Reisen nur empfehlen!
Den letzten Tag an dem wir das Auto hatten nutzen wir, in dem wir erst zum Boca del Diabolo (dem Teufelsmund) fuhren. Das ist ein großes Loch mitten in einem Felsen, der an den Klippen liegt. Das Loch ist unterirdisch mit dem Meer verbunden und bei jeder größeren Welle, die kommt schießt aus dem Loch ein Luftstrom mit Wasser, wie Gischt. Und danach saugt es es wieder ein und macht dabei wirklich ein Geräusch, dass sie wie ein Teufelsmund anhört. Wir hatten alle unseren Spaß und danach gings zum Playa Rincon, am Ende von der Halbinsel, für mich den schönsten Strand den ich bislang hier hatte. Kaum Leute am Strand, türkisblaues Wasser und auf beiden Seiten Berge, wie im Paradies. Ich glaube da sprechen die Bilder für sich :D
Am letzten Tag machten wir noch einen Ausflug zum Playa Corzón, an dem wir zwei Dominikanische Jungs trafen, die uns Ihre Surfbretter liehen und dann konnten wir es einfach mal ausprobieren. Die Jungs wohnten in einem Strandhaus und hatten sogar ein Pferd, dass sich Antonia geliehen hat und dann am Strand geritten ist. Das ist übrigens auch der Strand an dem die coolen Bilder mit den Palmen entstanden sind :) 
Wahrscheinlich habe ich jetzt bei meinen Erzählungen wieder die Hälfte vergessen, aber ich hoffe ich konnte euch annähernd vermitteln was für eine schöne Zeit ich hatte. Man musste es sich wirklich wieder oft bewusst machen, welche Temperaturen gerade zu Hause sind und dass einfach "Winter" ist.
Nach mehr als zwei unvergesslichen Wochen ging es dann wieder ein bisschen traurig zurück nach San Cristóbal, doch ich freute mich auch schon wieder auf die Arbeit und auf die Kinder :)

Liebe Grüße und bis bald

Paul


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Über die Weihnachtszeit und das fremde Land im Osten

Kurz vor dem Weihnachtsfest melde ich mich mal wieder aus der wunderschönen Dom Rep.  Leider bin ich immer noch nicht wirklich in Weihnachtsstimmung, aber wie denn auch? Bei immer noch sehr heißen Temperaturen und einem Umfeld, in dem es gar nicht möglich ist, besinnlich oder ruhig zu  werden. Denn wie muss ein Fest werden, damit es einem Dominikaner gefällt? Laut und bunt. Fast jedes Haus hier ist mit Lichterketten geschmückt, die in allen möglichen Farben blinken und leuchten. Ebenso der Park in San Cristóbal, welcher tagsüber nicht besonders schön ist, wird in den Nacht durch die, mit Lichterketten umwickelten Bäume, sogar recht schön. Im Radio und auf den Straßen hört man dominikanische Weihnachtsklassiker, welche im Gegensatz zu den Liedern die in Deutschland laufen, wie „Last Christmas“, eine gute Abwechslung sind. Gegenüber von der Kirche San Cristóbals wurde eine große Grippe aufgebaut, zwar etwas kitschig, aber eigentlich ganz schön. Was mich etwas gewundert hat, ist, dass es in den Familien weder einen Adventskalender, noch einen Adventskranz gibt. Generell war es auch komisch die Vorweihnachtszeit ohne das gewohnte Umfeld zu verbringen, wie den Weihnachtsmarkt, den lebendigen Adventskalender, den Christbaum, die Adventsgottesdienste und die Familie. Aber auf der anderen Seite war es auch wirklich spannend zu sehen, was für die Dominikaner „typisch Weihnachten“ ist. Dazu gehört nämlich zum Beispiel auch das Essen von Trauben und Äpfeln. Obst, das für uns eher normal ist, ist hier momentan sehr gefragt. Auf dem Markt und an vielen Straßenständen bekommt man es angeboten, doch vergleichsweise teuer, weil das Obst nicht hier wächst und aus den USA importiert werden muss. Ein Apfel kostet beispielsweise 80 Cent. Vielleicht ist es aber auch jetzt so beliebt, da man sich es im Dezember eher leisten kann, denn momentan bekommen alle Leute ihr Weihnachtsgeld und man merkt auch, dass mehr Geld im Umlauf ist. Straßen werden neu gemacht, Ampeln installiert, Häuser renoviert, Möbel lackiert, usw…

 

Laika und ich hatten uns Gedanken gemacht, was wir mit den Kindern in der Fundación zum Thema Weihnachten machen könnten. Wir fanden es schade, dass wir keinen Weihnachtsbaum haben und deshalb haben wir einfach einen gebastelt. Aus zwei grünen DIN-A3 Blättern haben wir einen großen Baum ausgeschnitten und an die Wand geklebt. Wir haben den Kindern dann Vorlagen gegeben und jedes konnte seinen eigenen Anhänger basteln und an de Baum hängen.

 

Außerdem haben wir  in den darauf folgenden Wochen Strohsterne aus Schaschlickspießen und kleine gefaltete Engel gebastelt. (Einige von euch kennen diese bestimmt schon :D)

 

Die Kinder bekommen jeden Tag nach der Fundación eine Tüte Milch (manchmal auch Schokomilch) und ein Brötchen, als Nachmittagssnack (hier auch als Merienda bekannt). An Nikolaus haben wir mit den Kindern aus diesen Milchtüten viele Stiefel gebastelt, den wir zum Schluss mit Süßigkeiten gefüllt haben und ihnen dazu die Nikolausgeschichte erzählt. Sie wussten nämlich gar nicht wer das ist und wie das bei uns in Deutschland abläuft. Insgesamt haben den Kindern unsere Ideen sehr gut gefallen, was uns natürlich sehr freut, und wir hoffen, dass wir ihnen etwas von unserer Weihnachtskultur mitgeben konnten.

 

Am Mittwoch gab es dann zum Abschluss des Jahres ein großes Weihnachtsessen mit allen Kindern vom Vor- und Nachmittag in der Fundación. Die Frauen vom Equipo (Team), die normalerweise die Hausbesuche machen, sind einkaufen gegangen und haben anschließend begonnen zu kochen. Erst dachte ich, sie hätten viel zu viel gekauft, denn wenn nur die Kinder gekommen wären, die sonst auch immer da sind wären es maximal 30 gewesen. Doch es kamen auch Kinder die ich bis jetzt nur eins, zwei Mal gesehen hatte oder auch welche, die ich gar nicht kannte. Es schien sich wohl herum gesprochen zu haben, dass es ein kostenloses Weihnachtsessen gäbe. Nachdem schließlich mehr als 60 Kinder in der Fundación waren, platze die fast aus allen Nähten. Es war das totale Chaos und ein nahezu unerträglicher Lärmpegel. Aber die Kinder hatten ihren Spaß und ich durfte auch mal wieder als Caballito (Pferdchen) herhalten und die Kleinen durch das Haus tragen. 

 

Nach ungefähr drei Stunden war das Essen fertig und es wurden 60 Portionen mit Reis, Hähnchen, Kartoffelsalat und Spaghetti verteilt. Natürlich wurde alles auf Plastiktellern mit Plastikbesteck verteilt, man könnte ja zu viel spülen müssen… (Ironie) Naja aber darüber rege ich mich fast schon nicht mehr auf, weil s einfach alltäglich ist, aber gut für die Umwelt ist es natürlich nicht. Einige mussten sogar auf dem Boden essen, weil nicht genug Platz war. Danach gab es noch für alle ein Becher voll Eis und ich habe noch versucht alle für ein Gruppenbild zu versammeln, was nicht ganz funktioniert hat.

 

Am letzten Wochenende sind wir (Laika, Teresa, Leo und ich) nach Punta Cana gefahren, um dort auf das „Electric Paradise“ zu gehen. Es ist ein Musik Festival direkt am Strand gelegen, auf dem hauptsächlich, wie der Name schon sagt, Electic gespielt wird, aber auf dem auch Livebands auftreten. Punta Cana liegt ganz im Osten des Landes und ist für seine traumhaften Strände und seine all-inclusive Hotels, die an diesen Stränden liegen, bekannt. Wir hatten uns für die Übernachtung ein Hostel im Vorort von Punta Cana gebucht, weil der Rest nicht bezahlbar war. Am nächten Tag sind wir mit der Guagua so weit wie möglich an den Festivalstrand gefahren. Von dem Ort, an dem uns der Busfahrer raus gelassen hat, sollten wir laut ihm ein Taxi nehmen. Wir haben uns gedacht, dass es doch auch anders gehen muss und sind mit Google Maps auf dem Handy etwas orientierungslos losgelaufen. Nach einer Weile kamen wir zu einem Kontrollpunkt für Autos. Als wir diesen passieren wollten, wurden wir von einem Sicherheitsmitarbeiter angehalten, welcher uns verboten hat zu Fuß weiterzugehen. So mussten wir also doch ein Taxi nehmen, was im Endeffekt auch gut war, weil es noch ewig zum Strand hin war. Im Taxi ging es dann endlich weiter und als wir durch den Sicherheitspunkt durchgefahren sind, konnten wir unseren Augen nicht trauen. Breite angelegte Straßen, daneben große Grünflächen mit Palmen, nirgendwo war Müll zu sehen und ein wenig Später kamen dann die riesigen Hotels mit ihren Privatstränden. Das ist auch der Grund warum ich in meiner Überschrift von dem „fremden Land im Osten“ gesprochen habe, denn das war nicht die Dominikanische Republik, so wie ich sie kennengelernt habe. Natürlich, es sah so aus wie im Katalog und war traumhaft schön, aber die Touristen die ihren gesamten Urlaub nur die diesem abgeschottetem Ort verbringen, haben höchstens Punta Cana gesehen und nicht die Dom Rep. Was ich persönlich schade finde, weil dieses Land so viel mehr zu bieten hat. Aber die Menschen die dort zum Urlaub hinfahren wollen wahrscheinlich gar nichts anderes sehen und ihre Ruhe haben. Ohne meinen Freiwilligendienst hier hätte ich dieses Land wahrscheinlich höchstens von der anderen Seite kennengelernt und ich bin wirklich glücklich und dankbar dafür, dass ich diese Möglichkeit habe.

 

Wir vier waren alle völlig sprachlos und konnten gar nicht glauben, was wir gesehen hatten. Schließlich setzte uns der Taxifahrer am Strand von Juanillo ab und wir waren sehr früh dran. So konnten wir schon vor Festivalbeginn das Gelände betreten und hatten es fast für uns alleine. Als es Abend wurde kamen nach und nach die anderen 14.996 Besucher und zu der Musik von Zedd, den Chainsmonkers, Snoop Dog, Juanes, DJ Snake, Matoma und vielen Weiteren haben wir bis in die Morgenstunden getanzt. Es waren aber nicht nur Dominikaner da, sondern auch wegen der Nähe zu den Hotels sehr viele Spanier, Amerikaner und Franzosen. Wir hatten einen tollen Abend und sind am nächsten Morgen mit vielen neuen Eindrücken zurück nach San Crtisóbal gefahren.

 

Mein heiliger Abend verlief heute eher unspektakulär. Heute Vormittag haben wir unsere Wohnung aufgeräumt und der Gastfamilie für das Abendessen geholfen. Am Nachmittag habe ich dann mit meiner Familie geskypt, aber es kam mir nicht vor, als hätten wir den 24.12. Doch am Abend kam dann doch noch etwas Weihnachtsstimmung auf:

 

Die ganze Familie (Yulisse, Wilson, Yelissa, Yamel und Yael), Oma Paulina und wir beide haben uns zum Essen versammelt. Auch Yaels bester Freund Hansiel durfte kommen, da er von seiner Familie nicht so gut behandelt wird und zu Hause kein Weihnachtsessen hat. Es gab Hähnchen aus dem Ofen, Pastel (ein Auflauf aus Platano Maduro und Hackfleisch), Pastelitos (gekochter Brei aus Platano) und sogar Kartoffelsalat. (Hat mich ein bisschen an zu Hause erinnert) Das Essen war echt lecker und schön, aber nach 20 Minuten war alles schon vorbei und jeder ist aufgestanden. Doch ich hab die Familie hier noch nie gemeinsam Essen sehen, sodass es schon etwas Besonderes war. Geschenke gibt es übrigens hier auch erst am 6.1. Morgen früh ist dann auch noch Gottesdienst, in den ich gehen werde. Wir haben uns danach mit unserer Gastmama noch eine Weile unterhalten und uns mit den Kindern noch ein Mal der Weihnachtsbaum angeschaut (der aus ein Paar Zweigen und einer Lichterkette besteht :D) Anschließend haben wir dann bei uns in der Wohnung unsere eigene kleine Bescherung gemacht. Ich hätte heute Nachmittag nicht gedacht, dass ich mich hier irgendwie weihnachtlich fühlen könnte, doch das Zusammensein der Familie, auch wenn nur so kurz, macht schon etwas aus und gehört für mich einfach dazu. Jedenfalls war es schon interessant zu sehen, wie man hier feiert. Ich bin immer noch wach und schreibe jetzt den Blog, da ich momentan eh nicht schlafen kann, weil draußen laute Musik an den Colmados läuft. Viele sind nach der Zeit mit ihren Familien noch einmal raus auf die Straßen gegangen, um die Freunde zu treffen und zu feiern.

 

Morgen Mittag werden wir aufbrechen für unsere Reise in den Winterferien an die Nordküste. Wir werden im Nordwesten in Monte Christi beginnen und in den zwei Wochen bis auf die Halbinsel Samaná im Nordosten reisen. Mein nächster Blogeintrag wird euch davon berichten.

 

Vielen Dank für alle Weihnachtsgrüße, die mich auf unterschiedlichsten Wegen erreicht haben! 

Weiterhin wünsche ich euch noch gesegnete Weihnachtstage und vor allem ein gesundes Jahr 2017.

 

 Feliz Navidad

 

Paul

 

 

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Der dominikanische Alltag, Pizzabacken in der Fundación und karibische Träume

 

Im heutigen Blogeintrag werde ich euch etwas über den Alltag und die Freizeitbeschäftigung der Dominikaner hier bei uns im Ort „Los Cantines“ erzählen. Am vergangenen Wochenende wurden wir von Rubio, einem Freund von Yulisse, mit dem wir uns auch gut verstehen und gerne mal einen „Wein“ trinken, zu seinem Softballspiel eingeladen. (Der Wein in Anführungszeichen, da man ihn nicht als Wein, sondern nur als Traubensaft mit leichter Alkoholnote beschreiben kann) Softball ist eigentlich das gleiche, wie Baseball. Nur der Ball ist größer und wird von unten geworfen. Das Team „Los Emprenendores de Los Cantines“ stand vor dem Derby gegen das Nachbardorf aus „Haina“. Gespielt wurde auf einem grasbewachsenen Platz hinter der Schule und zu meiner Überraschung waren sowohl aus Haina, als auch aus Los Cantines einige Zuschauer gekommen. Es gab zwei Spiele und jede Mannschaft konnte am Ende eines für sich entscheiden. Also ich kann sagen, dass Softball hier nicht mehr zu meiner Lieblingssportart wird, da einfach sehr lange im Spiel nichts passiert und ziemlich viel diskutiert wird. Doch das war wiederum lustig zu sehen, wie sich die Männer aufregen können und mit wie viel Leidenschaft sie bei diesem Spiel dabei waren. Insgesamt war es aber ein schöner Vormittag und wir konnten mal bei dem Nationalsport  live dabei sein. Denn man kann sagen, dass neben Basketball und im Frauenbereich vielleicht noch Volleyball, Softball/Baseball die beliebteste Sportart des Landes ist.

 

 

Das war eine der wenigen Beschäftigungen, die ich bis jetzt hier beobachten konnte. Sonst dreht sich der Alltag hier hauptsächlich um das Treffen an den Colmados. (Das sind große Kioske, an denen man alles kaufen kann, was man für den Alltag so benötigt und die es an so gut wie jeder Straßenecke gibt) Dort läuft am Abend dann meistens in einer sehr hohen Lautstärke Bachata oder Merrengue, aber das scheint hier keinen zu stören. Im Gegenteil: Es sind die Treffpunkte des Ortes.Oder die meisten Menschen sitzen auf Plastikstühlen, was typisch dominikanisch ist, vor ihren Häusern und reden mit Familienmitgliedern oder Freunden. Und davon gibt es zu mindestens bei Yulisse hunderte. Sie ist wirklich im ganzen Dorf unter dem Spitznamen „Morena“ bekannt und kennt so viele Menschen, einfach unglaublich. Aber sonst haben die Leute hier im Ort einen relativ geringen Unternehmungsdrang. Ausflüge am Wochenende mit Familie oder Freunden an den Strand, in die Hauptstadt oder ins Kino, welche für Laika und mich normal sind, sind hier die absolute Ausnahme. Aber ich denke das liegt auch an der eher ärmeren Gegend in der wir leben, da die meisten Menschen hier einfach nicht das Geld haben, um solche Sachen zu machen. Es gibt in San Cristóbal auch reichere Gegenden, von denen wir aber nicht so viel mitbekommen.

 

Eines Abends wollten Laika und ich nach der Arbeit in San Cristóbal etwas trinken gehen und schauen, wo man abends ausgehen kann. Wir hatten einen Club angesteuert, im Zentrum San Cristóbals angesteuert, der von außen ganz gut aussah. Wir waren sehr früh dran (ca. um 19:00) und die ersten Gäste in der auf 18 Grad runter gekühlten Disko. Es füllte sich nach und nach und als der DJ uns gesehen hatte, hat er angefangen amerikanische Musik zu spielen, weil er natürlich dachte, dass wir Amerikaner seien. Von den Dominikanern wurden wir ziemlich geärgert angeschaut, da diese ihre Merrenguemusik zurück haben wollten. Wir haben uns sehr darüber amüsiert, haben aber nach einer Stunde den Laden wieder verlassen, da es erstens zu kalt und zweitens so laut war, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Mal sehen, ob man in Santo Domingo besser ausgehen kann, denn das hier war nämlich ziemlich schwach.

 

In Santo Domingo gibt es aber auch, wie wir letzes Wochenende erfahren haben, riesige Malls und Einkaufszentren und ja sogar einen IKEA. In der Mall habe ich mir einen Pullover gekauft, den ich auch häufig am morgen trage, da es dann schon mal um die 20 Grad frisch wird. Komisch, dass man solche Läden, wie IKEA automatisch ansteuert, aber mich hat es einfach interessiert, ob man hier das gleiche bekommt, wie in Deutschland. Und nach 5 Minuten im schwedischen Möbelhaus war ich nicht mehr in Santo Domingo, sondern in Hanau. Exakt die gleichen Produkte zu den gleichen Preisen, wie in Deutschland. Wobei das für hier ziemlich teuer ist. Dennoch war es gut besucht und auch das Restaurant mit den Hackfleischbällchen gab es dort.

 

Apropos Essen: In der Fundación versuchen wir freitags mit den Kindern immer etwas schönes, lustiges oder kreatives zu machen. Den vergangenen Freitag haben wir mit den Kindern gemeinsam Pizza gebacken. Schon am Mittwoch hatten wir es angekündigt und jedem Kind eine Zutat zugeteilt, die es mitbringen sollte. Somit haben die Kinder eine Aufgabe an die sie denken müssen und sie tragen dadurch auch einen Teil an der Gemeinschaftspizza bei. Laika und ich haben uns um den Teig gekümmert und erstaunlich viele Kinder hatten an die Zutaten gedacht: der eine Käse, die andere Wurst, der nächste Mais usw… Während wir dann die Pizza belegten, ist uns aufgefallen, dass der alte Gasofen nicht funktionierte. Da standen wir nun mit 2 Blechen belegter Pizza und konnten sie nicht backen. Ich bin dann auf die Idee gekommen die Nachbarn zu fragen, ob wir ihren Ofen nutzen können, da ich mit ihnen schon einmal ein paar Worte gewechselt hatte. Und Gott sei  Dank war es überhaupt kein Problem und wir durften freundlicherweise die Pizza backen. Die Kinder freuten sich natürlich auch und insgesamt war es eine tolle Aktion. Aber überlegt mal, wie viele in Deutschland ihre Tür für einen Fremden öffnen würden, damit er seine Pizza backen kann.  Vielleicht war es auch nur Zufall, aber mich hat es sehr gefreut.

 

 

So jetzt nochmal einen Abschnitt, um euch ein wenig neidisch zu machen :D

 

Es ist jetzt schon wieder 3 Wochen her, aber an jenem Wochenende sind wir nach La Romana gefahren, um auf die Isla Saona zu fahren. Sie ist eine kleine Insel, auf der auch Teile von Fluch der Karibik gedreht worden sind. Um diesen Ort gibt es jetzt regelrecht einen Touristenboom und im Internet werden viele Katamaran und Speedboottouren angeboten, da man die Insel gar nicht anders erreichen kann. Wir haben aber den Tipp von unserer Vorfreiwilligen bekommen, dass wir die Tour keinesfalls im Internet buchen sollen, da es vor Ort viel günstiger geht. (Im Internet gab es diese Tour nicht unter 70$) Am Hafen angekommen wurde uns direkt klar, dass es kein Geheimtipp mehr ist. Auf dem Parkplatz standen um die 40 Reisebusse, welche die Touris entweder von ihren All-Inclusive Hotels oder von den Kreuzfahrtschiffen abgeholt hatten. Ich habe mich unter so vielen Touristen sehr unwohl gefühlt und hatte eigentlich schon keine Lust mehr. Naja auf jeden Fall haben wir dann einen Anbieter gefragt, was es denn koste und wir konnten einen Preis von 30$ heraus handeln. Auf dem Katamaran sind wir dann mit Animationsprogramm und Cuba Libre, so viel man wollte auf die Insel gefahren. So nervig auch die Tour war, desto mehr wurden wir dann auf der Isla Saona von türkisblauen Wasser und weißem Strand belohnt. Solch einen Sand hatte ich wirklich noch nie gesehen, so fein wie Mehl. Nach einem maximal durchschnittlichen Buffet hatten wir dann endlich Zeit zum Genießen am Strand. Es gab bestimmt 5 Tourenanbieter, die an diesem Strandabschnitt ihr Zentrum hatten, doch wir haben uns von den Menschen nicht großartig stören lassen. Leider sind dann ein paar dunkle Gewitterwolken aufgezogen, aber wir hatten es gerade wie es anfing zu regnen noch auf das Speedboot geschafft. Der Regen legte sich nach einer gewissen Zeit und wir hielten nochmal mitten in einem Naturschutzgebiet auf einer Sandbank. Das Wasser war inzwischen wärmer, als die Luft und auf dieser Sandbank konnte man noch Bilder mit riesigen Seesternen machen, die dort anscheinend wild lebten. Ich weiß immer noch nicht genau was ich von diesem Tourismus halten soll, aber noch einmal muss ich diese Tour nicht unbedingt machen. Aber der Strand und das Meer waren definitiv einen Besuch wert! Auf dem Rückweg hat es so heftig geregnet, dass das Wasser durch das Dach geflossen ist und alle unsere Sachen und wir durchnässt waren. In unserer Unterkunft war ich auch das erste Mal dankbar, dass es eine warme Dusche gab. Der Tag war für mich sehr aufregend, da ich das erste Mal mit der anderen Seite der Dom Rep in Kontakt gekommen bin. Nämlich dem Massentourismus ganz weit abseits von all den anderen Problemen, die das Land hat.

 

 

Für diejenigen, die nochmal andere Erfahrungsberichte und Perspektiven über die Dominikanische Republik haben wollen, hier sind die Links von Laika und Teresa, den anderen Kolping Freiwilligen:

 

www.discoversomethingnew.jimdo.com  → Laika (mit mir in San Cristóbal)

 

www.meinjahrinbonao.wordpress.com → Teresa (Kolpingschule in Bonao)

 

Ich wünsche euch eine gesegnete Adventszeit und bin gespannt, wie die Vorweihnachtszeit bei mir ablaufen wird. Das nächste Mal kann ich euch sicher davon erzählen.

 

Saludos de San Cristóbal

 

Paul

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Cabarete und das erste Mal im Viertel

Ja mich gibt’s auch noch. Endlich komme ich mal wieder dazu einen Blogeintrag zu schreiben. Und eigentlich sollte es ja ein gutes Zeichen sein, wenn man nicht dazu kommt zu scheiben. Es ist tatsächlich so, dass ich mich hier nur sehr selten langweile und ich mich jetzt wirklich gut eingelebt habe. Heute beispielsweise war ich auf dem Weg zum Bus und dann wurde mein Name gerufen. Ich drehte mich um und eine halbe Schulklasse, welche gerade auch dem Heimweg war, hat mich begrüßt. Davon kannte ich einige Kinder aus der Fundación und es war irgendwie lustig die ganzen Menschen zu sehen, die sich bestimmt dachten: „Wie, der kennt hier Leute und ist kein Tourist?“ Auch wenn man  durch unser Dorf „Los Cantines“ läuft,  wissen die Menschen so langsam, wer wir sind und was wir hier machen. Und manchmal, wenn man Glück hat, wird man von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer mitgenommen, der uns kennt.

Erschreckend ist aber eigentlich, dass schon zwei Monate meiner Zeit hier herum sind und es zu mindestens hier schon stark auf Weihnachten zugeht. Viele Häuser sind mit  Lichterketten geschmückt und in Supermärkten kann man schon Weihnachtsbäume kaufen(aus Plastik versteht sich :D) Unsere Nachbarn haben einen Weihnachtsbaum aus Autoreifen und angemalten Plastikmüll vor ihrem Haus stehen, was ich noch ziemlich cool finde. Die Zeit geht aber auch so schnell rum, da wir fast jedes Wochenende etwas unternehmen und es eigentlich nie Leerlauf gibt, auch unter der Woche.

 

Vor zwei Wochen beispielsweise haben wir uns mit einigen Freiwilligen, die wir schon auf dem Oktoberfest in Salcedo kennengelernt hatten in Cabarete an der Nordküste der Dom Rep getroffen. Cabarete ist als „der Surfhotspot“ hier  bekannt und ein Mal im Jahr findet dort auch der Weltcup statt. Dementsprechend touristisch ist der ganze Ort auch geprägt. Zur Anreise haben wir ganze 8 Stunden im eiskalten Caribetours Bus verbracht und waren wirklich froh, als wir unsere Unterkunft erreicht hatten. Wir wussten nicht, wo wir landen. Uns wurde nur gesagt, dass es dort ein Hostel für 10€ die Nacht gebe. Im Endeffekt sind wir in einem total schönen Bungalowdorf mit Pool  gelandet. Wir konnten in 5 Minuten zum Meer laufen und haben direkt einmal um Mitternacht bei Vollmond ein Bad im warmen Atlantikwasser genommen. Erst am nächsten Mittag konnte man sehen, wie schön der Strand von Cabarete wirklich ist. Natürlich nicht wirklich einsam und sehr touristisch mit vielen Bars und Restaurants, aber der hellgelbe, weiche Sand und das tiefblaue Wasser waren einfach unglaublich. Den Tag haben wir entspannt unter den Palmen und beim Beachvolleyball spielen verbracht. Bei unserer Unterkunft konnte man auch kostenlose Fahrräder leihen und es war schon ungewohnt wieder auf dem Rad zu sitzen. Hier im Land fährt auch kaum jemand Rad, da es gar keine Radwege gibt und es auf den Straßen viel zu gefährlich ist. Den Abend haben wir dann mit ausreichend Cuba Libre genossen und uns gut unterhalten.

Eine Sache, die es laut den anderen Freiwilligen auch in anderen Städten geben soll, sind die deutschen Nummernschilder an den Autos. Die meisten Autos sind asiatische Marken, welche aus den USA importiert worden sind. Hier in der Dom Rep braucht man jedenfalls nur hinten ein Nummernschild und vorne kann man sich drauf machen, was man will. So kommt es vor, dass ein Auto mit Darmstädter Nummernschild vor einem fährt. Ich glaube das kommt daher, dass sich die meisten Dominikaner nach außen hin meistens so darstellen, als ob alles bestens wäre. Viele haben auch ein Auto, welches nur in der Einfahrt steht, aber nicht gefahren wird, da sie sich das Benzin nicht leisten können. Beim Smalltalk das selbe: Ich habe noch nie auf die Frage: „Wie geht’s?“ , die Antwort: „Ja es geht so. “ oder „Heute nicht so gut.“ bekommen. Den Menschen und ihren Familien geht es immer bestens. Dabei bleiben die Gespräche und Beziehungen hier oft  sehr oberflächlich.

Die wichtigen Dinge bleiben eigentlich innerhalb der Familie, da die Familie hier auch an oberster Stelle steht. Aber ein wirkliches Familienleben gibt es nicht, sodass zum Beispiel Ausflüge am Wochenende unternommen werden, oder man gemeinsam isst. Beim Abendessen nimmt sich jeder seinen Teller und verschwindet in seine Ecke. Am Wochenende wird, zumindestens bei unserer Gastfamilie, immer gewaschen und das Haus gereinigt. Meistens wasche ich meine Wäsche gemeinsam mit der Familie und ich wunder mich immer wieder, dass sie sauber wird. Denn es wird mit kaltem Wasser in einer Waschmaschine gewaschen, die von oben befüllt wird und die die Kleidung nur leicht hin und her schleudert. Danach wird alles geschleudert und auf dem Stacheldrahtzaun aufgehängt. Ich bin nicht wirklich zuversichtlich, dass ich sie nach diesem Jahr noch tragen kann. Wenn dann alles getroknet ist, darf ich meine Kleider aus dem riesigen Wäschehaufen der ganzen Familie sammeln. Es ist schon immer ein großer Akt und man lernt dadurch auch gewisse Dinge von zu Hause zu schätzen. Zu diesen Dingen gehört es auch, immer fließendes Wasser und Strom zu haben. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann in Deutschland das letzte Mal der Strom ausgefallen ist, aber hier ist das alltäglich. Glücklicherweise haben wir in unserer Wohnung einen Inversor, der wie eine Batterie ein Wenig Strom speichert, sodass er die Zeit des Stromausfalles meistens überbrücken kann.

 

Zum Thema Heimweh: Ich vermisse zwar schon viele Leute, aber das hält sich eigentlich in Grenzen, da ich auch ziemlich oft skypen kann. Viel mehr vermisse ich das deutsche Essen. Yulisse hatte mich letztens gefragt: „Paul, schmeckt dir das Essen nicht. Du hast so abgenommen.“ Und natürlich habe ich gesagt, das Essen sei gut. Aber ehrlich gesagt ist es schon ziemlich fard und es gibt sehr oft das selbe (Reis mit Bohnen und Fleisch) Aber deswegen habe ich nicht so viel abgenommen (ca. 10 kg), sondern eher, weil ich hier viel mehr Sport mache und mich gesünder ernäre. Aber auf das Essen von meinen Omas hätte ich schon wieder lust :D

Am Montag hatten wir hier in der Fundación einen kleine Überflutung. Es hat von dem einen auf den anderen Moment angefangen, wie aus Eimern zu schütten und der Hinterhof ist voll mit Wasser gelaufen. Da da dort der Abfluss verstopft ist(was eigentlich jeder weis) ,ist das Wasser immer weiter gestiegen und hat sich seien Weg durch das ganze Gebäude bis zum Ausgang gesucht. Ich habe noch verzweifelt versucht das Wasser mit einem Besen rauszukehren, aber nach 10 Minuten stand das Wasser überall 3 cm hoch. Danach meinten alle, dass der Ausfluss unbedingt gemacht werden müsse, doch am nächsten Tag war das schon wieder verdrängt und so wie ich die Dominikaner hier bis jetzt kennengelernt habe, wird das auch bis zum nächten großen Regen nicht ändern.

 

Am Dienstag wurde ich von Kastya (der Chefin hier) gebeten, nicht in den Preescolar, sondern mit in die Zona Verde (ein Problemviertel) zu den Hausbesuchen zu kommen. Zur Fundación gehört nämlich auch noch ein Team, welches einige Familien aus den Armenvierteln betreut und regelmäßig besucht. Die Zona Verde ist direkt am Fluss gelegen und befindet sich zwischen den beiden Brücken, die die Stadtteile von San Cristóbal miteinander verbinden. Zuvor hatte ich nur von der Brücke aus die ganzen Wellblechdächer gesehen, denn uns  wurde ausdrücklich verboten dort hinein zu gehen, da es besonderst als „weißer“ gefährlich sein soll. Es gibt dort viele Probleme mit Drogen, aber auch innerhalb der Familien. Umso wichtiger ist die Arbeit, die das Team hier leistet. Die Autobahnbrücke ist das "Eingangstor" zum Zona Verde und wenn  man durchgeht, steht man wie in einer ganz anderen Stadt. Viele Häuser bestehen nur aus Paletten und Wellblechdächern  und es ist alles viel enger und ohne Privatsphäre. Ich war in keinem Haus drinne, konnte aber von außen sehen, das sich eigentlich alles in einem Raum befindet: Küche, Schalf-, Wohn-, und  Esszimmer in einem. Die Zona Verde unterscheidet sich wirlich massiv von der restlichen Stadt und es war wirklich traurig zu sehen, wie unsere Kinder aus der Fundación leben und aufwachsen müssen.  Die Familien, die betreut werden haben auf ihren Hauswänden die Aufschrift „Inaipi“ und diese konnte ich oft sehen. Ich hatte im Endeffekt die Aufgabe bei einer Gesprächsrunde in einer Kirche mit den Kindern zu spielen, deren Mütter ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin hatten. Es hat schon Spaß gemacht und ich hoffe, dass ich in Zukunft öfter in die Zona Verde komme und ich ein bisschen Mehr erfahre. Eigentlich wurde mir verboten Bilder zu machen, da es so rüber kommen könnte, als sei ich von der Polizei und wolle die Drogengeschäfte ausspionieren. Ich war auch sehr vorsichtig, habe aber für euch trotzdem welche gemacht. 

Ich möchte mich noch ganz herzlich bedanken, bei denen die am Stiftungsfest der Kolpingsfamilie für unsere Arbeit hier gespendet haben. Es ist echt einiges zusammen gekommen und ich hoffe, dass wir das Geld an der richtigen Stelle einsetzen können.

 

Und jetzt für alle, die keine Spinnen sehen können: Wegschauen!!! Diese Vogelspinne hat es tatsächlich in mein Zimmer geschafft. Unser kleiner Gastbruder hatte was ein Glück seinen Spaß daran, die Spinne mit dem Besen umzubringen. Ich kann normalerweise ganz gut mit Spinnen, aber diese fand auch ich ekelhaft.

So ich hoffe, dass jetzt wegen mit keiner Alpträume bekommt :D Der nächste Blogeintrag kommt wieder etwas schneller. Versprochen ;)

 

Bis dann und Liebe Grüße

 

 

PS: Ich habe gehört, dass es in Deutschland so kalt sein soll. Ich kann euch beruhigen, hier werden es in der Nacht auch schon frische 23 Grad, aber wenn die Sonne scheint ist es wie im Hochsommer :P

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Hurrikan Matthew und das Oktoberfest in Salcedo

Erst einmal, mir geht’s gut! Es scheint ja auch in Deutschland in den Medien gewesen zu sein, dass der Hurrikan Matthew über die Karibik gezogen ist und viel Schaden angerichtet hat. Über 300 Todesopfer soll es allein in Haiti gegeben haben. Ausgerechnet das Land, das ohnehin schon schwer getroffen war von dem Tsunami vor einigen Jahren und in dem die Menschen noch viel ärmer sind als hier, hat es wieder getroffen. Ich habe nur Bilder von Überschwemmungen und den Resten von Häusern gesehen, die der Sturm hinterlassen hat und man fragt sich schon, warum das eine Land auf der Insel verwüstet wird, und wir so ein Glück hatten. Denn wir haben hier gar nicht so viel davon mitbekommen. Es hieß, dass ein Sturm kommen soll und wir von Montag bis Mittwoch keine Arbeit haben werden, da alle Schulen und Kindergärten geschlossen sind (So zusagen „Regenfrei“) Die Kinder von Yulisse haben sich natürlich gefreut, doch schon am ersten Tag wurde uns allen langweilig. Mir scheint, als würden sich generell 80% des Lebens außerhalb der Häuser abspielen. Normalerweise bauen die Kinder draußen Drachen und lassen sie fliegen, fahren Fahrrad oder spielen einfach. Und auch die meisten Erwachsenen sitzen draußen auf ihren Plastikstühlen, besuchen ihre Nachbarn und Freunde und unterhalten sich. Wenn wir nach der Arbeit von der Bushaltestelle durch das Dorf zu uns nach Hause laufen,  spielt das Leben nur so auf der Straße. Aber die vergangen Tage hat sich keiner aus dem Haus getraut, doch nach zwei Tagen Platzregen, Wind und Sturm, war alles vorbei und bei uns gab es keine Überschwemmungen oder Zerstörungen an den Häusern. Am Donnerstag hat schon wieder die Sonne geschienen und ich wollte zur Arbeit in den Kindergarten, doch da waren weder die Erzieherin, noch die Kinder. Am Abend wurde mir dann gesagt, dass wegen des Hurrikans gleich die ganze Woche keine Fundación und Kindergarten ist. Im Nachhinein war es eine sehr langweilige Woche, die man auch nicht wirklich nutzen konnte. Ich bin auf jeden Fall glücklich und erleichtert, dass hier nichts Schlimmes passiert ist, doch für die Menschen in Haiti, deren Häuser zu 90% zerstört worden sind, kann man nur beten.

 

Letztes Wochenende haben wir auf eine kurzfristige Einladung zu einem Oktoberfest mit anderen deutschen Freiwilligen hin zugesagt und sind dann Freitagnachmittag gemeinsam mit Teresa in den Norden nach Salcedo gefahren. Das eigentliche Programm hatte zwar erst am Samstag begonnen, aber wir haben gefragt, ob wir schon früher kommen können, damit es sich mehr lohnt. Wir wurden sehr freundlich von den Freiwilligen vor Ort empfangen und durften in einem Jugendferienhaus außerhalb von Salcedo übernachten. Vier weitere Freiwillige sind auch schon am gleichen Abend gekommen und gemeinsam haben wir einen schönen Abend verbracht. Es war interessant zu hören, was die anderen so machen, denn viele machen hier ein freiwilliges ökologisches Jahr und engagieren sich in ganz unterschiedlichen Projekten wie wir.  

 

Am nächsten Morgen wurden wir vom Projektleiter vor Ort abgeholt und ins Gefängnis gefahren. Ja das hört sich kurios an, war es auch. Wir sollten helfen die Kartoffeln für das Oktoberfest zu schälen.  Und in diesem Gefängnis saßen Mörder, Vergewaltiger und Drogendealer, also keine Kleinkriminellen. Das Prinzip war aber ein anderes, als in Deutschland. Die Insassen dürfen sich frei in dem Gefängnisgelände bewegen, wenn sie sich gut verhalten und werden nur in der Nacht eingesperrt. Zwischen der Straße und dem Gefängishof gibt es auch kein Tor, sondern nur zwei Wachmänner. Natürlich gibt es einige Aufseher dort, aber den Gefangenen wird viel Vertrauen und Freiheit geschenkt. Das ist auch das Motto, das jeder Insasse trägt auf seinem T-Shirt den Schriftzug: „Liebe die Freiheit“. Da saßen wir nun, vielleicht neben einem Mörder, und wir haben gemeinsam Kartoffeln geschält, mit einem Messer natürlich. Schon ein komisches Gefühl, aber wir haben uns schnell daran gewöhnt und weiter geholfen.Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, war es sehr schön gestaltet und es gibt auch viele Werkstätten, in denen sich die Gefangenen in ihren Berufen weiterbilden können oder einen neuen Job lernen können.

 

Zum Mittagessen sind dann noch ca. 30 weitere Freiwillige in einem Restaurant in der Stadtmitte angekommen. Umgeben von so vielen  Deutschen und ihren Geschichten und Erfahrungen, hat man fast vergessen wo man eigentlich ist. Wir haben danach noch eine kleine Stadtführung durch Salcedo bekommen, natürlich mit dem Bus, man könnte ja einen Schritt zu viel gehen. Ich bin ja schon ein ziemlich fauler Mensch, doch für welche kleinen Strecken die meisten Dominikaner einen Bus oder eine Mototaxi nehmen, ist schon erstaunlich. Jedenfalls haben wir uns danach für das Oktoberfest fertig gemacht. Es hat in dem Kulturzentrum Salcedos, einem großen Saal, stattgefunden und sogar der deutsche Botschafter war mit seiner Familie anwesend. Es gab Bratkartoffeln, Sauerkraut und erstaunlich gute Bratwurst zum Essen und für 150 Pesos (3€) sogar Maisel´s Weise Weißbier. Insgesamt waren bestimmt 200 Leute da und den zahlreichen Dominikanern hat es auch gut gefallen. Man hat aber dann doch gemerkt, dass es ein dominikanisches Oktoberfest war. Erstens an den Plastikstühlen und zweitens an der anfangs „deutschen“ Musik, die aber relativ schnell in Bachata und Merrengueklänge umgeschlagen ist. Obwohl mir diese Musik auch besser gefallen hat als Micki Krause oder Jürgen Drews. :D

 

Am Sonntag waren wir dann alle ziemlich fertig und froh, wieder nach Hause zu können. Ich habe mir auch dort leider irgendwo eine Grippe eingefangen, sodass ich die folgenden zwei Tage flach lag. (Was aber wegen des Hurrikans nicht so schlimm war) Insgesamt war es aber ein tolles Wochenende, an dem wir viele neue Leute über das ganze Land verteilt kennengelernt haben, die wir hoffentlich auch einmal besuchen können.

 

Dann möchte ich euch noch von einem besonderen Tag für uns im Kindergarten erzählen:  Die Erzieherinnen wechseln zwischen der Vormittags- und der Nachmittagsgruppe. Deshalb sind wir in der Mittagspause immer alleine im Kindergarten und da kommt es schon mal vor, dass die ersten Kinder kommen, bevor die Erzieherin da ist. Nur an diesem Tag war das anders. Es wurde ein Kind nach dem anderen abgesetzt und uns übergeben. Wir waren davor erst vier Mal da, somit eigentlich noch fremde. Aber die Eltern machten sich überhaupt keine Gedanken. Eine halbe Stunde nachdem die Erzieherin eigentlich da sein sollte, fragte eine Mama: „Wo bleibt denn die Erzieherin? Kommt sie heute nicht?“ Ich wusste natürlich auch nicht, ob sie noch kommt oder nicht aber sagte einfach mal: „Die hat sich bestimmt nur verspätet“. Um es kurz zu machen: Sie kam nicht mehr und so standen wir nun da, mit 25 Kindern, deren Namen wir kaum kannten und sollten sie 3 Stunden lang betreuen. Wir haben uns an das gehalten, was wir von den Tagen davor schon kannten: Erst werden die Aufgaben gemacht, dann werden die Hände gewaschen und dann gibt es Merienda(kleinen Snack). Es lief alles sehr chaotisch ab, aber wir haben es einigermaßen hinbekommen und alle Kinder haben überlebt. Später stellte sie heraus, dass die Erzieherin beim Arzt war und uns einfach vergessen wurde zu sagen, dass wir das alleine machen sollten. Naja jetzt wissen wir ja, wie es geht :D

 

Heute nur ein kurzer Blogeintrag, dafür gibt es noch ein Video aus dem Kindergarten und eines vom Markt in Santo Domingo. Außerdem noch ein paar Bilder von unserem Ausflug in den Botanischen Garten vom letzen Wochenende.

 

 

Hasta Luego

 

Paul

 

 

 

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Reise nach Bonao, der verrückte Verkehr und was sonst noch passiert ist

Am letzen Wochenende wollten Laika und Ich die andere Freiwillige Teresa in Bonao besuchen. Damit es sich lohnt sind wir also direkt nach der Arbeit von der Fundación aus losgefahren und hatten unsere Sachen bereits in einem Rucksack eingepackt. Das günstigste öffentliche Verkehrsmittel ist die Guagua, an welche wir auch eine sehr gute Anbindung haben. Jedenfalls mussten wir dann in Santo Domingo umsteigen und von einem Autobahnkreuz zu einem anderen gelangen. Wir haben den „Shuttle“ relativ schnell gefunden auch wenn er total überfüllt war. Ein Kleinbus, der normalerweise für 7-9 Personen gedacht ist, war mit der doppelten Anzahl gefüllt und ich saß auch noch ganz außen an der offenen Tür. Das scheint hier aber ganz normal zu sein.

 

Der Verkehr ist ohnehin verrückt: Überholt wird rechts, sowie links. Auf der Autobahn wird einfach rechts rangefahren, um Leute einzuladen. Kaum einer ist angeschnallt, selbst wenn man es wollte, ist kein Gurt da. Die meisten Autos und Busse sind so alt und kaputt, dass kaum eines in Deutschland über den TÜV kommen würde. Auf den Motorrädern sitzen bis zu 4 Personen, alle ohne Helm. Rechts vor Links scheint es auch nicht zu geben – Eher das Prinzip, wer hupt hat Vorfahrt. Nur ganz wenige haben einen Führerschein und bei uns auf dem Dorf fahren ungelogen 10 jährige einen Motorroller. Auf den Autos und Bussen findet man auch immer Aufkleber mit den Aufschriften: „Alles überlässt man Gott“ oder „Wenn Gott auf meiner Seite ist, wer ist dann gegen mich“ Und ich denke mir immer, dass man bei dem Verkehr auch eine ordentliche Portion Gottvertrauen benötigt. Ich habe einmal Yulisse gefragt, ob es denn keine Verkehrsregeln gäbe und sie meinte: „Doch, aber es hält sich keiner dran“ Und es scheint wirklich so, denn die Polizei unternimmt auch nichts. Das ist auch der Grund, warum es hier so viele Verkehrsunfälle und Tote gibt. Naja ich hoffe, dass wir in diesem Jahr verschont bleiben :D

 

An dem anderen Autobahnkreuz angekommen, haben wir uns in einen großen, klimatisierten (eiskalten) Reisebus gesetzt und sind nach Bonao gefahren. Insgesamt waren wir nur 2,5 Stunden unterwegs und haben dafür ca.4 € gezahlt. So viel bezahlt man zu Hause von Dieburg nach Darmstadt mit der Bahn :D. In Bonao wurden wir dann von Teresa und einem Mitarbeiter der Kolpingschule, in der sie arbeitet, abgeholt. Die Freude war groß, sich wieder zu sehen und nach 3 Wochen gab es bereits einiges zu erzählen. Erst sind wir noch kurz ein Paar Lebensmittel fürs Wochenende einkaufen gegangen und dann wurden in das Kolpingzentrum gefahren. Dort gibt es 2 Gästezimmer, in denen wir freundlicherweise für 2 Nächte kostenlos mit Teresa übernachten durften.

 

In Bonao ist das Zentrum der Kolpingsfamilien in der Dominikanischen Republik. Sie haben eine eigene Schule, in der sie verschiedene Kurse für wenig Geld anbieten. Beispielsweise einen Englischkurs oder einen Computerkurs. Außerdem haben sie auch einen Kindergarten, in dem Teresa auch arbeitet. Eugenio, der Mentor von Teresa, hat gemeinsam mit 3 weiteren Männern vor einigen Jahren Kolping aus Deutschland in die Dom Rep geholt und mittlerweile gibt es um die 500 Mitglieder im Land. Von Eugenio wurden wir noch am gleichen Abend in sein Haus zum Essen eingeladen. Er arbeitet ehrenamtlich bei Kolping, ist aber als Hauptberuf Zahnarzt. Wie wir erfahren hatten verdienen am Besten die Anwälte, Politiker und Ärzte im Land und das konnte  man auch an seinem Haus sehen. Im Vergleich zu den anderen in der Straße ist es richtig herausgestochen – ein Riesenhaus, wie eine Villa und auch von innen total schick eingerichtet. Das war schon komisch, vor allem, wenn man sieht, wie die anderen Menschen hier leben. Gegessen haben wir dann mit Eugenio, seiner Ehefrau und seiner Tochter. Er hat noch 3 weitere Söhne. Es gab Reis mit einem Eintopf aus Kartoffeln, Yuca, Hähnchen und Schweinefleisch und dazu Avocado. Es war richtig lecker und das erste Mal hatten wir zartes Fleisch von guter Qualität. Wir saßen anschließend noch eine Weile im Garten, haben Mango gegessen und uns schön unterhalten.

 

Am nächten morgen wurden wir von Raúl, einem Mitarbeiter und der Sekretärin abgeholt, um in ein Naturschutzgebiet zu fahren. Was ich vielleicht noch dazu sagen sollte ist, dass Bonao mitten im Land liegt und es dort sehr viele Berge gibt. Auf jeden Fall war es dort, wie in einem Nationalpark und es war einer der wenigen Orte, die ich bis jetzt gesehen hatte, wo darauf geachtet wurde, dass kein Müll weggeworfen wird bzw. gar nicht erst mitgenommen wird. Wir sind ca. 10 Minuten durch einen wunderschönen, tropischen, grünen Wald gelaufen und die Luft war richtig angenehm. Nach einer Weile konnte man schon das Rauschen eines Wasserfalles hören und kurz danach standen wir vor einem Bach, der sich durch mehrere Steine und Wasserbecken den Weg nach unten bahnte. Laika und Teresa sind mit ihren Beinen in das Wasser, aber ich konnte es mir nicht nehmen lassen, habe meine Sporthose angezogen und bin in das kühle Nass gesprungen. Wir waren bestimmt eine Stunde dort, weil es einfach zu schön war. 

 

Am Nachmittag haben wir dann Teresas Gastfamilie besucht und durften ihre Wohnung sehen. Sie hat eine total freundliche Gastfamilie und auch 2 Gastschwestern, die sich gut um sie kümmern. Aber so viel Privatsphäre, wie Laika und ich (wir haben eine eigene Wohnung) hat Teresa nicht. Sie hat zwar ein eigenes kleines Zimmer, aber ohne eine Tür zum Schlafzimmer der Gastschwestern. Mit denen sind wir danach in der Stadtmitte ein Yorgen Früz (bei uns Frozen Joghurt) essen gegangen. Wenn man so durch die Straßen Bonaos geht, hat man sofort gesehen, dass  die Stadt viel reicher als San Cristóbal ist. Es war alles sauberer und die Straßen und Häuser in einem viel besseren Zustand. Bei einem Jugendtreff, den wir anschließend besuchten trifft sich die ganze Jugend der Kirche immer samstags abends und bereitet den Gottesdienst für den Sonntag vor, plant andere Dinge und spielt Basketball. Außerdem wurde gemeinsam gebetet, was hier generell oft der Fall ist – im Kindergarten vor dem Essen - bei vielen öffentlichen Veranstaltungen – in der Fundación. Ich fand das echt gut, besonders weil da eine total gute Gemeinschaft innerhalb der Gruppe war. Zum Abendessen haben wir uns noch Empanadas in das Kolpingzentrum liefern lassen. Das sind ziemlich fettige, frittierte Teigtaschen gefüllt nach Wunsch mit Käse, Schinken oder beidem. Lecker! :D

 

Am nächsten Tag wurden wir von Teresas „Cousin“ (dem Cousin der Gastfamilie) und seinem Bruder abgeholt, um eine „kleine Bergtour“ zu machen, wie gesagt Bonao ist umgeben von Bergen. Anfangs hieß es wir bräuchten ohne Pausen maximal 90 Minuten, doch es kam anders. Wir wanderten bei über 30 Grad in einem Wahnsinnstempo mit wenigen Pausen den Berg hoch. Der Wald war atemberaubend und überall wuchs etwas Grünes. Doch man hatte überhaupt keine Zeit das alles zu genießen, weil man immer auf den Boden schauen musste, damit es einen nicht hingelegt hat. Der steile Waldweg wurde immer enger und bewachsener, wir waren auch die einzigen, die dort unterwegs waren. Neben uns wuchsen mittlerweile Kakaobäume, Kaffebohnen, Bananen, Avocados und Zitrusfrüchte. Irgendwann konnte man nur noch erahnen wo es lang gehen sollte und wir machten eine Pause an einem kleinen Wasserlauf. Der Cousin nahm eine Kakaofrucht und öffnete sie mit einem Messer. Mir war gar nicht bewusst, wie diese von innen aussehen, man kennt ja immer nur den fertigen Kakao. Die Bohnen sind ummantelt von glitschigem Fruchtfleisch und man kann diese dann lutschen – schmeckt fast wie Litschi. Nach 3 Stunden hatten wir dann nassgeschwitzt und total fertig den Gipfel erreicht aber wir wurden von einem tollen Ausblick belohnt. Wir hatten gar nicht viel Zeit oben und mussten relativ schnell wieder den Rückweg antreten, da Laika und Ich unseren Bus nach Hause bekommen mussten. Also wieder 1 ½ Stunden bergab und dabei bin ich ausgerutscht und mit meiner Hand in einen Stacheldrahtzaun gefallen, doch es ist nichts Schlimmeres passiert.

 

Wieder in der Kolpingschule, haben wir dann unsere Sachen gepackt und uns bei Teresa für diese tollen und erlebnisreichen Tage bedankt. Das nächte Mal wird sie uns dann in San Cristóbal besuchen kommen.

 

Seit nun zwei Wochen arbeiten wir jetzt auch immer dienstags und donnerstags im Preescolar (Kindergarten/Vorschule). Dort läuft alles etwas geregelter ab, denn es gibt Erzieherinnen – jeweils eine für zwei Vormittagsgruppen und eine für die Nachmittagsgruppe. Wir helfen dann immer beim Händewaschen, Aufgabenschreiben in die Hausaufgabenhefte der Kinder, bei der Merienda (kleiner Snack, den die Kinder von zu Hause mitbringen und dort essen) und spielen/toben mit den Kids. Sie sind im Alter von 2-5 Jahren und echt anstrengend. Ich habe schon nach zwei Wochen vor allen Erziehern, die das Hauptberuflich machen einen großen Respekt. Ich weiß nicht, ob ich früher auch so schlimm war, aber es gibtmindestens immer ein Kind das weint und es spielen sich die tragischsten Abschiedsszenen am Tor ab, wenn die Eltern gehen. Aber es macht schon viel Spaß und ich finde es ist eine gute Abwechslung zur Arbeit in der Fundación.

 

Seit neustem gehen wir auch oft an den Fundacióntagen in der Mittagspause in ein Fitnessstudio ums Eck. Dort gibt es alles, was man braucht und der Tageseintritt sind nur 50 Pesos (1€). Es wurde ja gefragt, wie das mit der Wasserversorgung hier ist. Eigentlich soll man das Wasser aus der Leitung nicht trinken, weil es nicht sauber ist und viele Keime hat, aber Jael und Wilson trinken es trotzdem immer. Wir aber nicht, denn so ziemlich jeder Haushalt hat einen großen 18l Wasserkanister, die man in Deutschland von den Wasserspendern kennt. So einen Spender haben wir auch in der Fundación und im Preescolar und dort trinke ich auch immer sehr viel, was man hier auch muss. Also das ist echt super, und man kann diese Kanister für 30 Pesos auch überall wieder befüllen.

 

Jetzt will ich euch noch 2 Erlebnisse von diesem Wochenende erzählen.

 

 Am Freitag waren wir abends nach der Arbeit auf einer Veranstaltung in einer Schule, auf die wir für Yulisse gehen sollten. Es war irgend so eine Initiative, die ihr Projekt vorgestellt hat. Sie heißt „Pais Possible“ (mögliches Land) und dort hat ein 16-jähriger Junge in einer Rede über die Probleme von der Dom Rep gesprochen und diese war so gut, dass ich euch heute davon erzähle. Er sagte zusammengefasst: „Die Probleme von dem Land sind Drogen, Prostitution und Alkohol. Überall ist Müll und die Touristen sind wichtiger, als die eigenen Bewohner. Korruption herrscht nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Unsere Kinder wollen weder Denken, Lernen noch Arbeiten. Viele meinen, dass sich in unserem Land nichts ändern kann, doch es muss sich etwas ändern! “ Unter großem Beifall verließ er die Bühne. Und obwohl ich erst einen Monat hier bin, kann ich viele dieser Probleme bestätigen. Besonders bei der Arbeit mit den Kindern in der Fundación fällt es mir auf, wo einige in der 6. Klasse noch nicht lesen können oder ihre  Probleme beim Addieren im einstelligen Bereich haben. Da fragt man sich, was die in der Schule machen.

 

Am Samstag waren Laika und ich in Nayajo am Strand – wie fast alle Strände wunderschön. Neben uns war eine Familie und wir haben wenige Worte gewechselt und worden sofort eingeladen, von ihrem mitgebrachten Essen zu essen und etwas zu trinken. Zu guter letzt wurden wir sogar, obwohl das Auto eigentlich schon voll war, mit nach San Cristóbal zurück genommen. Diese unglaubliche Gastfreundschaft ist uns jetzt schon öfters begegnet und man fragt sich, warum diese Nächstenliebe und Freundlichkeit hier funktioniert, aber bei uns in Deutschland nicht oder zumindest nicht in diesem Ausmaß funktioniert.

 

 

 

So zum Schluss noch ein Paar fragen, die ich/wir häufig zu hören bekommen:

 

 

1. Americanos?

 

2. Spielst du Basketball?

 

3. Sind in Deutschland alle so groß?

 

4. Seid ihr verheiratet, zusammen oder Geschwister?

 

 

Das war´s mal wieder für Heute. Bis zum nächsten Mal und allen Eppertshäusern ein schönes Kerbwochenende.

 

Wem ist die Kerb?

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San Cristóbal,Santo Domingo und die große Hitze

Zwei aufregende Wochen in der Dominikanischen Republik liegen nun schon hinter mir und es gibt einiges zu erzählen.

 

Erst einmal zum Wetter: Ich habe mir zwar schon gedacht, dass es heiß werden wird. Aber momentan ist es bei der Hitze kaum auszuhalten, vor allem in der Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Auch in der Wohnung geht es nur mit Ventilator. Auch abends, da die Häuser hier nicht Isoliert sind und die schwüle Luft in der Wohnung steht. Wir können noch froh sein, denn wir wohnen etwas höher auf einem Hügel vor San Cristóbal und dort geht manchmal ein kühles Lüftchen. Das mag sich vielleicht anhören, als wäre ich zimperlich, aber es ist wirklich anstrengend. Da kommt einem ein Regentag ganz entgegen, der alles abkühlt und den Staub aus der Luft auf den Boden holt. Mir erscheint, als würde das Leben der meisten Dominikaner zu 80% außerhalb des Hauses auf den Straßen stattfinden, doch wenn es mal regnet ist kein Mensch auf den Straßen zu finden.

 

Bis jetzt haben wir immer nur montags, mittwochs und freitags in der Fundación gearbeitet und waren noch nicht im Preescolar (Kindergarten/Vorschule), wo wir eigentlich dienstags und donnerstags sein sollten, da dieser erst die kommende Woche aufmacht. Somit hatten wir schon viel Zeit San Cristóbal und die Strände in der Umgebung zu erkunden.

 

Von unserer Wohnung aus dauert es zu Fuß 10 Minuten bis zur Guagua(dem kleinen Bus, bei dem man einfach ein und austeigen kann) und dann noch einmal 15 Minuten bis in die Innenstadt. San Cristóbal hat nicht so viel zu bieten. Es ist zwar eine relativ große Stadt, aber wegen der Nähe zur Hauptstadt reduziert sich die Stadt auf einige Läden, einen großen Markt und verschiedene Wohnviertel. Die  Stadt ist außerdem meistens sehr Laut und schmutzig, da sich auch nirgendwo Mülleimer befinden. Dann wird der Müll halt eben auf die Straße geworfen und es gibt auch keine Müllabfuhr. Beispielsweise verbrennt Paulina (die Mama von Yulisse) unseren Müll hinter dem Haus und das mache einige so. Es ist wirklich erschreckend wie die Leute das schöne Land mit so viel Müll überhäufen, dass teilweise Mülllawienen entstehen.

 

In der Fundación geht es mit den Kindern besser voran. Im Sommer kam eine große Spende von Kanadiern für die Einrichtung, sodass neben uns nun auch noch eine Lehrerin die Kinder betreut. Das ist ganz praktisch, da die Kinder auf sie auch meistens hören. Zuerst machen sie dann immer ihre Hausaufgaben oder Aufgaben von der Lehrerin und wir schauen nach ihnen und helfen wo wir können. Die letzte dreiviertel Stunde spielen wir dann immer Spiele oder ich habe Zeit einzelnen Kindern etwas auf dem Klavier beizubringen, was auch wirklich gut klappt.

 

Am vergangenen Freitag haben wir dann mir den Kindern im gegenüberliegenden Stadion Sport gemacht, wobei es eigentlich nur darauf ankommt sich zu bewegen und auszupowern. Das wollen wir jetzt immer machen, da die kleinen echt viel Energie haben.

 

Mit meinem spanisch komme ich immer besser voran, doch oft bleiben bei der Kommunikation Schwierigkeiten, da die meisten Dominikaner sehr schnell und undeutlich sprechen und ich oft nachfragen muss.

 

An einem freien Tag sind wir dann gemeinsam mit Yulisse in der Guagua nach Palenque gefahren um dort den Strand zu besuchen. Yulisse arbeitet in einer Schule in Palenque als Psychologin und hat uns mit in die Schule genommen. Ich bewundere sie ohnehin, da sie den ganzen Tag lang arbeitet, danach noch oft in die Fundación fährt, um dort noch etwas zu erledigen. Dann kommt sie heim, kocht etwas und kümmert sich um ihre 3 Kinder und um Laika und mich. Ihren Mann Wilson sieht sie auch nur selten, denn er arbeitet nachts und muss abends schlafen. Und bei allem ist sie immer total nett, gastfreundlich und redet sehr viel mit uns.

 

Jedenfalls wurden wir dann von der Schule von den Söhnen von Castia (die Leiterin der Fundación, die in Palenque wohnt) mit dem Motorroller abgeholt und zum Strand gebracht. Es war Donnerstagmittag und wir hatten den wunderschönen Palmenstrand ganz für uns alleine.

 

Am vergangenen Wochenende haben wir dann die Türen in der Wohnung eingebaut und der Gasherd wurde angeschlossen. Jetzt können wir auch endlich selbst kochen. :D Sonntags ist Yelissa, die älteste Tochter mit uns in die Hauptstadt Santo Domingo gefahren und hat uns alle Sehenswürdigkeiten der Stadt gezeigt. Santo Domingo ist die Stadt, in der Kolumbus zuerst angekommen war, als er Amerika entdeckte. Somit hat sie eine große historische Bedeutung und ist auch bei Touristen sehr beliebt. Das merkt man vor allem im Kolonialen Viertel, dem Herzstück von Santo Domingo.Die Stadt ist aber deutlich europäischer und moderner und ganz anders als San Cristóbal.

Am Montag ist dann Lisa, unsere Vorfreiwillige, von ihrer Kolumbienreise zurückgegehrt, die sie als Abschluss ihres Jahres gemacht hat. Sie hatte ihr Jahr hinter sich und konnte uns wirklich viele Fragen  beantworten und Tipps geben. Mit ihr waren wir auch abends mehrmals in Santo Domingo und die Stadt ist bei Dunkelheit komplett anders. Die Lichter machen die kolonialen Gebäude und großen Plätze noch viel schöner und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Von einer Dachterrasse aus haben wir dann bei einem Café und schönen Gesprächen den Abend genossen.

Am Donnerstag sind wir drei dann an den Strand „Juan Dolio“ gefahren. Der breite Strand hat ganz hellen, gelben Sand und das Wasser ist total klar und weich. Dort lässt es sich aushalten ;) Zum Mittagessen hatten wir dann direkt am Strand einen Pina Colada und fangfrischen Papageienfisch. Die meisten Dominikaner können gar nicht schwimmen und baden auch mit normaler Kleidung. Der Strand dort ist also echt perfekt, da kaum Wellengang ist und es sehr lange flach bleibt.

 

Samstagmorgen bin ich alleine in die Hauptstadt gefahren, da ich ein paar Tage zuvor den Steffan kennengelernt habe, der vor 9 Jahren nach Santo Domingo gezogen ist und dort eine Deutsche Bar hat. Dort habe ich dann um halb 10 die Eintracht geschaut und mich mit dem Bayernfan gut unterhalten. Er ist übrigens ein sehr guter Freund von Charles M Huber, den einige von euch noch von den Bundestagswahlen kennen. Er war nämlich der CDU Spitzenkandidat für den Landkreis Darmstadt und war auch schon bei einer Podiumsdiskussion unserer Kolpigsfamilie in Eppertshausen. „Da sieht man“, hat er gesagt „wie klein die Welt ist.“

 

Am Nachmittag habe ich noch Lisa verabschiedet, die gemeinsam mit Laika zum Flughafen gefahren ist. Ich konnte leider nicht mitkommen, da ich mich schon am Tag zuvor mit Rubio zum Basketball verabredet hatte. Er ist sehr sportbegeistert und wir haben zusammen gegen zwei andere Jungs bei 34°Grad  auf einen Korb gespielt. Es hat echt Spaß gemacht und es war das erste Mal, dass meine Größe hier im Land nützlich war :D Sonst muss ich mich immer zwischen die Bussitze quetschen mit meinen langen Beinen.

 

So das wars jetzt erstmal. Ich kann verstehen, dass einige schon lange auf diesen Blogeintrag warten, aber ich versuche so oft wie möglich zu schreiben. Und irgendwie haben sich manche Bilder nicht drehen lassen, hoffe es geht trotzdem :)

 

Liebe Grüße aus der heißen Dom Rep  

 

 

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Endlich da

Endlich sind wir da. Ich schreibe euch jetzt aus unserer Wohnung in San Cristobal. Doch nun erstmal zur Reise:

 

Ich wurde von meinen Eltern und meiner kleinen Schwester am Samstag morgen um 04:00 nach Düsseldorf gebracht. Am Flughafen angekommen trafen wir Teresa und Laika. Tersesa ist ebenfalls mit Kolping in der Dominikanischen Republik, aber nicht mit mir, sondern alleine in der Kolpingsfamilie in Bonao (ca. 2 Stunden von uns entfernt). Laika kommt aus Hamburg und wird im kommenden Jahr mit mir zusammen wohen und in der Fundación arbeiten.

 

Nach dem Abschied ging es dann, da wir mit Air France geflogen sind, mit dem Flieger nach Paris und nach einer kurzen Umsteigezeit 9 Stunden lang nach Punta Cana. Wegen meiner langen Beine habe ich erstmal einen neuen Platz mit etwas mehr Beinfreiheit bekommen :D Der Flug verlief bis auf ein Paar Turbulenzen ruhig und um 15:30 Ortszeit (6 Stunden vor der deutschen Zeit) landeten wir dann in Punta Cana, welches ein beliebtes Urlaubsziel bei Touristen ist. Dort mussten wir dann alle aus dem Flieger austeigen, durch die Sicherheitskontrolle gehen und nach zwei Sunden Wartezeit durften wir dann wieder in den gleichen Flieger einsteigen. Eine halbe Stunde später waren wir dann schon fast an unserem Ziel, nämlich in Santo Domingo, der Hauptstadt des Landes. Die lange Reise und die Zeitverschiebung hat uns alle ziemlich mitgenommen, schließlich war es nach deutscher Zeit schon 01:00. Anschließend mussten wir noch gefühlt durch fünf Sicherheits und Passkontrollen bis wir dann endlich aus dem Flughafen raus waren.

 

Wir wurden sehr herzlich von 8 Dominikanern empfangen, von denen ich nur Eugenio kannte(den Mentor von Teresa), da er schon auf unserem Vorbereitungsseminar in Bonn war. Wir wurden von Joel und Isabel abgeholt, welche gute Freunde von Yulisse, der Leiterin des Projektes und gleichzeitig unserer Gastmutter, sind.

 

 In einem Moment ist die ganze Müdigkeit in pure Freude und Erleichterung umgeschlagen. Endlich waren wir am Ziel. Es war zwar erst 19:00, aber schon dunkel und sehr schwül,  da es leicht regnete.

 

Die Autofahrt war sehr aufregend, nicht nur wegen der neuen Umgebung sondern auch deswegen weil ich mich nicht anschnallen konnte. Der Gurt war defekt, doch das einzige was Joel sagte war: „Tranquillo, no te preocupar“ was soviel heißt, wie „Ruhig, mach dir keine Sorgen“ und er fuhr los.

 

Die Fahrt ging ca. eine Stunde durch die Hauptstadt Santo Domingo nach San Cristóbal. Die Fenster waren während der Fahrt unten, sodass die Feuchtigkeit einigermaßen ertragbar war. Im Auto lief Latino Musik (ich hoffe nach dem Jahr kann ich euch genauer sagen, was genau da lief) und Isabel und Joel sangen viel mit. Manchmal wurde die Musik im Auto von noch lauterer Musik von Außerhalb übertönt. Dort saßen junge Leute an den Straßenecken, vor kleinen Läden, hörten den Klängen zu, tanzten und unterhielten sich.

 

Schließlich fuhren wir in eine Einfahrt ein und nachdem wir ausgestiegen sind wurden wir von Yulisse und ihren Kindern begrüßt. Sie hat insgesamt 2 Töchter (Lisa und Yamel) und einen Sohn (Yael). Die Familie wohnt gemeinsam mit ihrer Oma in 2 Häusern, welche sie sich teilen.

 

Direkt hinter den beiden Häusern liegt im Obergeschoss eines Hauses unsere Wohnung. Die Familie hat sie uns sehr stolz gezeigt, da wir auch die ersten Freiwilligen sind die diese bewohnen und sie komplett neu renoviert wurde.

 

Erst muss man eine schmale Treppe hinaufsteigen und dann befindet sich direkt hinter der Eingangstür ein Wohn- und Esszimmer. Ein Flur verbindet die weiteren Zimmer. Hinter der ersten „Tür“ und ich schreibe Tür in Anführungszeichen, da noch keine Türen eingebaut sind, befindet sich mein Zimmer. Eine „Tür“ weiter ein kleines Bad mit Dusche und Toilette. Am Ende des Flures das Zimmer von Laika und auf der rechten Seite ist die Küche. Bis jetzt fehlt es nicht nur an Türen, sondern auch an einem Duschvorhang und der Küchenausstattung, aber das kommt noch in den nächsten Tagen :D

 

Nachdem wir unsere Taschen einigermaßen ausgeräumt hatten, hat uns Yulisse noch etwas Honigmelone und Ananas zum Abendessen aufgeschnitten. Danach konnten wir nun endlich nach rund 22 Stunden Anreise schlafen gehen.